Frankfurter Verlagsanstalt* | Gebundene Ausgabe | 317 Seiten | 24,00 €

INHALT:
Nana kommt in eine vom Wahlkampf erhitzte Stadt am Rand von Sachsen, die voll ist von zurückkehrenden Frauen, von Gründerinnen im Aufbruch, die um ihre ostdeutsche Heimat ringen. Als Coach will sie in Grenzlitz Katja Stötzel, die Kandidatin der Zukunftsgrünen, stärken. Doch sie wird auf Distanz gehalten. Verständnis findet sie bei einem von ganz rechts, Falk Schloßer. In Grenzlitz findet sie ihre Verzweiflung und Wut auf eine Gesellschaft wieder, die sie jahrelang von sich geschoben hat. Als sich die Situation zuspitzt und Katja Stötzel bedroht wird, weil überhaupt alles zu eskalieren scheint, muss sie sich entscheiden: Auf welcher Seite stehe ich eigentlich? Wer meint es ernst mit der Menschlichkeit?
MEINUNG:
Ich wurde auf das Buch in einer Buchvorstellung aufmerksam. Ansonsten habe ich es bisher noch nicht gesehen. Ich muss sagen, dass ich vor Im Land der Wölfe ein bisschen Bammel hatte, weil ich selbst aus Ostdeutschland komme (allerdings nicht mehr dort wohne) und da immer zwei Herzen in meiner Brust schlagen.
Nana wird Coachin für Katja Stötzel, die Kandidatin auf das Bürgermeisteramt in Grenzlitz in Sachsen. Grenzlitz ist eine fiktive Stadt, aber ich könnte mir vorstellen, dass Parallelen zu Görlitz eventuell gewollt sind, ebenso zu den politischen Parteien. Es gibt die Pinken, die Zukunftsgrünen und die Blauen. Auch hier sind Vergleiche mit realen Parteien definitiv gewollt. Das Abstrahieren der Autorin der Parteien und des Ortes hat es mir möglich gemacht, das Geschehen ein bisschen aus Distanz zu betrachten. Warum Nana diesen Job angenommen hat, bleibt unklar. Dennoch wird irgendwie schnell klar, dass Katja sie auf Distanz hält, was es natürlich für Nana umso schwieriger macht, sie für den Wahlkampf vorzubereiten. Nana hat wirklich gute Ideen in diesem schwierigen Umfeld, wo es nämlich auch noch die Blauen gibt. Falk Schlosser ist von den Blauen und im Gegensatz zu Katja auch immer sofort zur Stelle. Die Autorin arbeitet hier sehr raus, wie es ist, dass rechtsradikale Personen einfach zum Gemeindeleben dazu gehören. Es wird deutlich, warum die Leute lieber die Blauen wählen würden, denn sie hören zu, sie sind da. Beim Lesen habe ich mich durchaus dabei erwischt, ob an Falks (scheinbar) sehr guten Argumentationen nicht auch was dran sein kann, denn einiges ist auch nicht von der Hand zu weisen. Er trifft oft ins Schwarze. Es ist zu spüren, wie gefährlich es werden kann, wenn man sich hier einlullen lässt.
Parallel zu dem Geschehen in Grenzlitz, gibt es auch noch einen E-Mail-Verkehr bzw. Telefonat zwischen Nana und ihrem Bruder. Zwischen den beiden entbrennt schnell eine harte Diskussion und Vorwürfe, weil beide sich als Person und ihre gemeinsame Kindheit bzw. Jugend komplett in Frage stellen und am Ende feststellen, dass vieles von dem jeweils anderen ganz anders wahrgenommen wurde. Alles in allem muss eine wirklich schwierige Kindheit gewesen sein, wo die Mutter eher abwesend war und beide schlussendlich bei der Freundin von ihrer Oma väterlicherseits aufwachsen. Es gibt Stellen in dem Buch, die eine Triggerwarnung verdienen würden. Das Aufarbeiten mit ihrem Bruder scheint zwar der richtige Weg zu sein, aber es setzt Nana auch zusätzlich zu.
FAZIT:
Im Land der Wölfe beschreibt Elsa Koester ein mögliches Zukunftsszenario, was sich ohne Weiteres in unsere Realität holen lassen könnte. Es ist keine leichte Lektüre, denn es hat viel mit mir gemacht und man wirklich aufpassen sich hier nicht Einlullen zu lassen, vor allem aber die Erkenntnis, dass es genauso funktionieren kann bzw. schon funktioniert es sehr wichtig. Das Buch sollte jeder vor den anstehenden Wahlen lesen und danach seine bzw. ihre Wahl treffen. Das Ende wurde hier sehr realistisch dargestellt meiner Meinung nach, auch es einen bitteren Beigeschmack hat.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Frankfurter Verlagsanstalt* über NetGalley* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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Ein Kommentar zu „Kurz-Rezension „Im Land der Wölfe“ – Elsa Koester“