dtv Verlag* | Übersetzer: Franziska Hüther, Ricarda Essrich, Thorsten Alms, Hannes Langdörfer | Gebundene Ausgabe | 529 Seiten | 24,00 €

INHALT:
Ein explosives Ermittler-Duo. Sie: Expolizistin und Krimiautorin im Karrieretief. Er: ein Hacker mit gequälter Seele. Sie ziehen einander an. Sie stoßen einander ab, aber sie müssen einander vertrauen.Ursprünglich sollte Kim Ribbing, der die Spuren eines tiefen Traumas in sich trägt, die ehemalige Polizistin Julia Malmros bei Recherchen unterstützen. Doch dann erschüttert ein Verbrechen das sommerliche Leben in den Schären. Mittsommer. Der längste Tag. Die dunkelste Nacht.Nicht weit von Julias Ferienhaus werden die Gäste eines Mitsommerfests grausam hingerichtet. Nur Astrid Helander, der Tochter der Familie, gelingt es, sich zu retten. Aber das junge Mädchen ist verstummt. Für Julia ist die Zeit gekommen, zu handeln.Mit Gespür für dichte Atmosphäre und die psychologischen Feinheiten seiner Figuren schreibt John Ajvide Lindqvist einen vielschichtigen Thriller, der unter die Haut geht.Während Kim sich auf die Spur der Täter setzt und ihnen im World Wide Web und rund um den Globus folgt, nutzt Julia ihre Kontakte zur Kriminalpolizei. Ausgerechnet ihr Exmann Johnny ist mit den Ermittlungen betraut. Wer steht hinter den Auftragskillern? Und was hat Kim Ribbing zu verbergen, der immer wieder im Alleingang arbeitet
MEINUNG:
Refugium ist der Auftakt zu der Stormland-Reihe von John Ajvide Lindqvist. Ich war an diesem schwedischen Thriller interessiert, weil er mit der Millenium Trilogie bzw. Reihe von Stieg Larsson verglichen wurde. Die Trilogie wurde dann von David Lagercrantz weitergeschrieben. Lindqvist soll auch im Gespräch gewesen sein, wurde dann aber nicht ausgewählt.
Die Kapitel sind sehr kurz. Innerhalb kürzester Zeit bin ich förmlich durch die Seiten geflogen. Was leider nicht aufkommt, dass ist Spannung. Für einen Thriller hätte ich hier deutlich mehr erwartet. Dann haben wir noch das ziemlich ungewöhnliche Duo – Julia und Kim, die vermutlich gewollt an Lisbeth Salander und Mikael Blomqvist erinnern sollen, nur das die Geschlechter getauscht worden sind. Es gibt allerlei Anspielungen zu der Millenium-Reihe. Julia ist selbst Autorin, nachdem sie den Polizeijob gekündigt hat und soll eigentlich die Millenium Reihe weiter schreiben. Dem Verlag gefällt es allerdings nicht und man bitte sie es komplett umzuschreiben, was sie nicht macht. Lindqvist hat hier vielleicht selbst damit abrechnet, dass er auch nicht ausgewählt worden ist. Kim Ribbing lernt Julia kennen über den Verlag, weil sie jemanden mit Hacker-Kenntnissen benötigt, um Lisbeth Salander richtig darzustellen. Zwischen beiden entwickelt sich irgendeine komische Art Liaison.
Generell hat Lindqvist in meinen Augen kein Händchen dafür Charaktere zu gestalten. Kim Ribbing soll sicherlich an Lisbeth Salander angelehnt sein inkl. schwieriger Kindheit etc., wozu es auch kursiv geschrieben Kapitel gibt. Ich habe mir oft gedacht, dass der Autor leider nicht das Prinzip berücksichtigt „Show and don’t tell“. Die Dialoge zwischen den Charakteren sind auch kurz und wenig tief gehend. Ich weiß nicht, ob es an der Übersetzung liegt, aber der Schreibstil erschien mir ziemlich flach und einiges war schlecht formuliert. Vieles war einfach viel zu gewollt und kippte für mich dann ins Komische. Ich konnte die Handlung und den Fall kaum ernst nehmen. Parallel zu Julia und Kim gibt es natürlich auch noch „richtige“ Ermittler und das ist Julias Ex-Mann, der ebenfalls Polizist ist und seine Partnernin Carmen. Nach richtiger Ermittlungsarbeit hatte es sich aber auch nicht angefühlt. Auch hier hat Lindqvist kein Talent einen Fall im politischen Umfeld zu konstruieren. Möglicherweise war es aber so gewollt, dass hier eine Art Parodie auf die Millenium -Reihe entsteht. 😉
FAZIT:
Refugium konnte ich nicht wirklich ernst nehmen und einem Vergleich mit der Millenium Trilogie hält das Buch auch nicht stand. Ich bin mir nicht sicher, ob das so gewollt war oder ob es an der Übersetzung gelegen, aber vieles war fast schon ungewollt komisch, vor allem die Charaktere. Dazu kommt der eigentlich nicht vorhandene Spannungsbogen. Ich fand es gut zu lesen, aber kann mir nicht vorstellen die Reihe weiterzuverfolgen.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von dtv Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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Ein Kommentar zu „Rezension „Refugium“ – John Ajvide Lindqvist“