Rowohlt Verlag* | Broschierte Ausgabe | 592 Seiten | 14,00 €

INHALT:
Hamburg, 1913. Es muss einen Ausweg geben! Alice wohnt im rauen Arbeiterviertel auf der Uhlenhorst, und ihr Ehemann Henk macht ihr das Leben zur Hölle. Der einzige Lichtblick: ihre Tochter Rosa. Als sie das Kind kaum noch vor Henk beschützen kann, wagt Alice das Unmögliche. Sie will diese Ehe beenden!
Nicht weit entfernt vom Elendsviertel lebt der Rechtsanwalt John Reeven in der Villa seiner alteingesessenen Familie. Die Geschäfte florieren, John ist standesgemäß verlobt. Aus guter hanseatischer Tradition berät er auch mittellose Hamburger in rechtlichen Fragen. Das Ansinnen dieser jungen Frau allerdings ist aussichtslos: Sie will sich von ihrem Ehemann trennen.
Wider jede Vernunft willigt er ein, sie zu vertreten. Aber das Wagnis birgt ein hohes Risiko. Für Alice steht alles auf dem Spiel. Und John ahnt nicht, wie sehr seine sichere Welt ins Wanken geraten wird …
MEINUNG:
Ich lese nicht so oft historische Romane, aber die von Miriam Georg haben es mir angetan. Ihr gelingt eine wirklich gut, spannende Story mit vielen historischen Fakten zu unterfüttern. Als Wahl-Hamburgerin finde ich spannend mehr über die Stadt zu erfahren. Aus diesem Grund war ich schon sehr gespannt auf Im Nordwind.
Alles beginnt damit, dass Alice von ihrem Mann wieder einmal körperlich misshandelt wird. Sie möchte aus dieser Ehe raus. Zu dieser Zeit scheint es schon möglich zu sein. Dabei trifft sie auf John, der eine Art soziale Rechtsberatung anbietet. Obwohl eine Scheidung schon möglich ist, offenbart ihr John, dass in der Regel dem Mann das Sorgerecht zugesprochen wird und das ist das größte Problem, denn Rosa bedeutet Alice alles. Wie immer erzählt Miriam Georg multiperspektivisch und so lernen wir auch Johns Familie, dem die Holstenbrauerei gehört und Alices Bruder kennen, der als Stallmeister in der Brauerei arbeitet. Alices und Johns Leben könnte nicht unterschiedlicher sein, dennoch ist da eine magische Anziehung – eine Anziehung, die auch nicht sein darf, da beide aus unterschiedliche sozialen Schichten stammen und die alles nur noch komplizierter macht.
Das Leben von Alice ist keines, mit dem ich tauschen wollen würde. Ich habe bei der Lektüre des Buches wirklich oft daran gedacht, wie dankbar ich dafür sein kann, dass ich erstens nicht in der Zeit geboren worden bin und dass ich auch heute eine gutes Leben haben mit genügend Essen, guter Gesundheit, Bildung und einen Job, mit dem ich von keinem Mann abhängig sein muss. Es gibt auch immer wieder Rückblicke in Alice Vergangenheit, die bereits andeutet, dass Alice furchtbare Sachen erlebt hat, die sie für immer geprägt haben. Es gibt da auch Dinge, die mich unfassbar sauer gemacht haben, nämlich das Frauen immer noch die Schuld gegeben wird, wenn diese ungewollt und unverheiratet schwanger werden. Der Titel leitet sich tatsächlich vorm sogenannten Nordwind ab, von dem ich bisher noch nichts gehört habe. Es gibt außerdem spannende Einblick in die Geschichte des Hamburgers Doms und in die Geschichte der Holstenbrauerei.
FAZIT:
Alices Schicksal und ihr Leben als Frau zu dieser Zeit in der sozialen Schicht macht Im Nordwind düster, oft kaum ertragbar, denn ich hatte oft schön böse Vorahnungen, aber auch authentisch. Miriam Georg schafft einen starken Kontrast zu anderen Frauenpersonen in dem Roman, die ein deutlich besseres Leben führen, aber dennoch nicht mehr Rechte haben. Ich bin gespannt auf den zweiten Teil und wie da weiter gehen wird. Das Ende hat mir eigentlich das Herz gebrochen.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Rowohlt Verlag* über NetGalley* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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Ein Kommentar zu „Kurz-Rezension „Im Nordwind“ – Miriam Georg“