Rezension „Umlaufbahnen“ – Samantha Harvey

dtv Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzung: Julia Wolf | 224 Seiten | 22,00 € 

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INHALT:

Sechs Astronauten schweben in einer Raumstation durchs All. Den Planeten Erde umkreisen sie in 90 Minuten, sechzehnmal in 24 Stunden. Die zwei Frauen und vier Männer aus ganz unterschiedlichen Nationen arbeiten, essen und schlafen auf engstem Raum – und doch ist alles losgelöst vom Alltag, Schwerkraft und Zeitempfinden sind außer Kraft gesetzt. Was passiert, wenn man seine Heimat nur aus weiter Ferne durch ein kleines Fenster sieht? Wie verändern sich Denken und Fühlen? In dem Zeitraum von nur einem Tag, während die Sonne sechzehnmal auf- und untergeht, betrachtet dieser ungewöhnliche, kraftvoll poetische Roman die großen und kleinen Fragen der Menschheit und bringt uns der Schönheit des Universums ganz nahe.

MEINUNG:

Bei Umlaufbahnen hat mich zuerst das Cover angesprochen. Ich freue mich, dass der Verlag das Original Cover übernommen hat. Mein Interesse ist gestiegen als ich gelesen habe, dass es den diesjährigen Booker Prize gewonnen hat. 

Der Roman, auch wenn ich ihn als solches nicht bezeichnen würde, gibt Einblick in die Leben der sechs AstronautInnen, von den zwei Kosmonauten sind, sprich aus Russland. Da wird schnell klar, dass hier strikt getrennt wird. Man ist zwar auf einer gemeinsamen Mission, aber es dürfen z.B. nicht die gleichen Toiletten genutzt werden. Im Verlauf der Geschichte, die keinem wirklich roten Faden folgt, außer den Umlaufbahnen, die die Erde um die Sonne macht, lernt man einiges über den Alltag an Board eines solchen Raumstation. Mir hat gefallen, dass hier auch eine leise Kritik geäußert wird, dass bei aller Romantisierung dieser Mission, auch sehr viel Geld notwendig ist und dass der Treibstoffverbrauch eine sehr große Umweltbelastung darstellt. Die Ausbildung erfordert auch viele Entbehrungen , z.B. dass man lange fort von der Familie ist und das sogar die Lebenserwartung sinkt. Von einer Astronautin stirbt während dessen auch die Mutter und sie konnte nicht Abschied nehmen. Doch alle sind sich einig, dass sie es immer wieder so machen würden. 

Der Roman liest sich ein bisschen, wie ein Teil von der Unendlichkeit, denn es gibt nicht so richtig einen Anfang und kein festes Ende. Natürlich ist klar, dass die Crew irgendwann zurückkehren muss, aber theoretisch könnte sie ewig sich so weiter treiben lassen. Die Sprache ist so wunderbar poetisch und atmosphärisch. Der Text hat vor meinem inneren Augen ganz viele Bilder ausgelöst, als würde ich eine Doku über unsere Erde schauen. Es war als würde ich selbst mit in der Raumstation sitzen und von oben auf die Erde schauen. Spannend auch, wie die Landschaften beschrieben werden. Die Crew sieht z.B. auch einen heran nahenden Taifun und andere Umweltphänomene. Die Übersetzung ist hier wirklich großartig gelungen. 

FAZIT:

Umlaufbahnen ist eine wundervolle poetische Reise durch unsere Weltall. Das Buch liest sich als würde meine Dokumentation sehen, die so etwas heißt, wie „Unsere Erde“. Gleichzeitig führt uns das Buch vor Augen, wie kostbar unser Planet ist und wie wir ihn zu dem gemacht haben, was er ist. Das Buch eine sehr angenehme Lektüre, um einmal aus der momentanen schwierigen geopolitischen Lage abzutauchen. Eine sehr gute Wahl von der Booker Prizes Jury, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ein Buch, was man immer wieder lesen kann.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von dtv Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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