Kurz-Rezension „Nelka“ – Svenja Leiber

Suhrkamp Verlag* | Gebundene Ausgabe | 204 Seiten | 24,00 € 

INHALT:

Lemberg, 1941. Die sechzehnjährige Nelka wird von Soldaten aufgegriffen und mit zahlreichen Mädchen und Frauen nach Westen verschleppt. Auf einem norddeutschen Gutshof werden sie zu schwerer Arbeit gezwungen. Ihr Vater hatte Nelka früh im Obstbau unterrichtet, und schon als Kind hatte sie ihm beim Veredeln der Apfelbäume geholfen. Dank dieses Wissens kann sie sich anfänglich der Zudringlichkeit des Gutsverwalters erwehren. Sie plant den Apfelanbau für ihn, und die Plantagen bescheren ihm nach dem Krieg ein Vermögen. Jahrzehnte später kehrt Nelka an den Ort ihres Leidens zurück. Sie will, dass Marten sich an das erinnert, wovon sie selbst sich endlich befreien muss.

MEINUNG:

Nelka ist in diesem Jahr (2026) für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Ich habe es natürlich aus diesem Grund gelesen und weil ich mich auch diese Stück der norddeutschen Geschichte interessiert hat.

Nelka ist nach der gleichnamigen Hauptprotagonistin benannt. Nelka kommt als polnische Zwangsarbeiterin auf einen norddeutschen Gutshof am Anfang der 1941er Jahre. Svenja Leiber beschreibt hier ein Stück deutscher Geschichte, welches ich so nicht kannte bzw. dessen ich mir so bewusst war. Es steht vieles zwischen den Zeilen, wie es den Arbeiter und Arbeiterinnen dort ergeht, aber vieles ist auch sehr eindrücklich beschrieben – harte Arbeit, wenig zu Essen, sexuelle Übergriffe und ein Leben, dass so selbst nicht gewählt worden ist fern der Heimat. 

Nelka kann sich ein bisschen eine Sonderstellung „sichern“, da sie sich mit Apfelanbau auskennt und dem Verwalter des Gutshofes wertvolle Tipps geben kann, die auch Einfluss auf die Zukunft haben. Es ist immer so ein bisschen in der Schwebe, was zwischen den beiden war. Er möchte alles vergessen und versteht ihren Besuch nicht so ganz. Es kommt erst heraus, warum Nelka den ganzen Weg zurück nach Deutschland auf sich genommen hat. Man kann es als eine Suche nach innerem Frieden mit dem Geschehenen betrachten. Ich mochte auch die sehr bildhafte Sprache von Svenja Leiber, vor allem die Metaphern über den Apfelanbau, die man auch auf das Leben anwenden kann.

FAZIT:

In Nelka nimmt uns Svenja Leiber wieder einmal mit ein Teil der deutscher Geschichte zur Kriegs- und Nachkriegszeit. Ähnlich wie der Autorin erging es mir nach dem Lesen auch – ich werden Apfelplantagen nun anders betrachten und mir eventuell auch über andere Gemüseanbaugebiete Gedanken machen, wie diese entstanden sind. Zurecht auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Suhrkamp Verlag* über Netgalley* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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