Rezension „Girls“ von Emma Cline

Hanser Verlag | Hardcover | 352 Seiten | 22,00 € | Amazon

2016-08-16 16.36.28

INHALT:

Kalifornien, 1969. Evie Boyd ist vierzehn und möchte unbedingt gesehen werden – aber weder die frisch geschiedenen Eltern noch ihre einzige Freundin beachten sie. Doch dann, an einem der endlosen Sommertage, begegnet sie ihnen: den „Girls“. Das Haar, lang und unfrisiert. Die ausgefransten Kleider. Ihr lautes, freies Lachen. Unter ihnen ist auch die ältere Suzanne, der Evie verfällt. Mit ihnen zieht sie zu Russell, einem Typ wie Charles Manson, dessen Ranch tief in den Hügeln liegt. Gerüchte von Sex, wilden Partys, Einzelne, die plötzlich ausreißen. Evie gibt sich der Vision grenzenloser Liebe hin und merkt nicht, wie der Moment naht, der ihr Leben mit Gewalt für immer zerstören könnte.

COVER:

Das Cover deutet wenig auf den Inhalt des Romans hi2016-08-16 16.37.07n. Wir sehen einen Teil der rechten Gesichtshälfte einer jungen Frau mit blauen Augen. Einzig die Blume könnte als Hinweis auf die Zeit, in der der Roman spielt, gedeutet werden.

Das deutsche Cover weicht hier stark von den Englischen Ausgaben ab. Mir gefällt dieses aber deutlich besser.

MEINUNG:

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen und wird aus der Perpektive der von Evie Boyd in Ich-Form erzählt. Wir befinden zum einen im Jahr 1969 und zum Anderen in der Gegenwart, ohne Benennung eines expliziten Jahres, wobei die Abschnitte im Jahre 1969 den überwiegenden Part des Romans ausmachen. In Halbsätzen wird deutlich, dass etwas Schrecklichen passiert ist und dass Evie vieles nicht gewusst hat bzw. nicht sehen wollte. Die sich anbahnende Katastrophe schwebt immer zwischen den Zeilen und man fragt sich als Leser, was passiert ist und vor allem wie Evies da wieder raus gekommen ist. In den Gegenwartsabschnitten spüren wir eine Evie, die dem Ganzen zwar entkommen ist, aber irgendwie trotzdem nicht so richtig den Weg in ein glückliches und erfülltes Leben gefunden hat.

Der Klappentext verrät bereits, dass der Roman eine Anlehnung an die Geschehnisse um die Manson-Family ist. Vielleicht ist hier klüger das Buch ohne den Klappentext gelesen haben zu beginnen, so kann man sich, falls das Wissen über die Manson-Family nicht bereits vorhanden ist, hier von dem Grauen noch besser einfangen lassen. Ich habe mich über die Manson-Family vorher informiert, da ich diese  nicht kannte. Entsprechend der gelesenen Informationen habe ich hier wirklich das Schlimmste erwartet, aber die Ausführungen und Beschreibungen der Taten der Manson-Family bleiben hier auf einem recht gesunden Level. Es ist und bleibt ein Roman und kein Thriller.  Eine gewisse Beklemmung ist trotzdem ein ständiger Begleiter beim Lesen des Romans. Die Autorin beschreibt alles sehr plastisch und fängt die Atmosphäre der damaligen Zeit und Kaliforniens sehr gut durch ihren Schreibstil ein. Es ist kein Roman, den man einfach mal so nebenbei wegliest.

Im Mittelpunkt steht Evie. Die damals 14-jährige muss die Trennung der Eltern miterleben, die vor allem dazu führen, dass Evie an den Rand der Aufmerksamkeit der beiden rutscht. In der Kommune, speziell bei der älteren Suzanne, findet sie scheinbar den so schmerzlich vermissten Halt.

„Vor Suzanne hatte mich nie jemand angesehen, jedenfalls nicht richtig, also war sie zu meiner Definition geworden.“ (S. 341)

Wir begleiten Evie oft mit Schrecken dabei, wie sie mehr und mehr in die Kommune hinein rutscht mit allem was dazu gehört. Erschreckend ist in der Zeit auch der Umgang mit Drogen (und auch Sex), der selbst für 11-jährige scheinbar normal gewesen zu sein schien. Zu Suzanne baut Evie eine fast manische Form der Zuneigung auf, weil sie glaubt hier die Liebe zu bekommen, die ihr Zuhause verwehrt bleibt.

„Ich war krank vor törichter Hoffnung und glaubte, ich würde immer im seligen Raum ihrer Aufmerksamkeit leben.“ (S. 309)

Als Leser spürt man aber, dass diese Zuneigung in dem Maße nicht auf Gegenseitigkeit beruht und spürt bereits früh, dass sie hier enttäuscht werden wird. Suzanne fand ich als Charakter recht schwer zu greifen. Nie war ganz klar, ob das wirklich sie selbst ist oder ob es der Drogeneinfluss ist, der einen Filter über ihre wahre Persönlichkeit gelegt hat. Dies gilt genauso für die anderen Mitglieder der Kommune und auch für Evie selbst, die häufig unter dem Einfluss von Drogen stand.

Auch wenn die Geschichte sehr authentisch und atmosphärisch geschrieben ist, plätscherte sie doch ein wenig vor sich hin und vieles konnte ich  schon frühzeitig absehen. Mir fehlte hier häufiger ein gewisser Spannungsbogen in der Geschichte.

FAZIT:

Für einen Debüt-Roman ist das eine ganz starke Leistung, die hier zweifelsohne anerkannt werden muss. Der Roman besticht hier durch eine einzigartigen Schreibstil, der es fast nicht zulässt, dass man das Buch mal eben so nebenbei liest. Trotzdem konnte mich der Roman nicht voll und ganz überzeugen, da mir viele Charaktere zu blass geblieben sind und dem Roman eine gewisse Spannung gefehlt hat. Vieles war einfach auch vorhersehbar.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen

Hierbei handelte es sich um ein Rezensionsexemplar von Lovelybooks.de. Vielen Dank dafür!

Ein Gedanke zu “Rezension „Girls“ von Emma Cline

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