Rezension „Die Attentäter“ von Antonia Michaelis

Oetinger Verlag | Hardcover | 448 Seiten | 19,99 € | Amazon

2016-08-16 16.38.55

INHALT:

Obwohl sie aus grundverschiedenen Verhältnissen stammen, sind Cliff und Alain fasziniert voneinander. Zwischen ihnen steht Margarete, die beide von klein auf kennen. Dann konvertiert Cliff zum Islam und verschwindet. Als er zurückkehrt, wird klar: Er soll für den IS einen „Tag des Blutes“ planen. Alain will seinen Freund retten – doch wie lange kann er noch zu ihm halten?

COVER:

2016-08-16 16.38.23Die dominierenden Farben Gelb und Grün des Buchumschlags erinnern mich an einen Dschungel bzw. an Das Dschungelbuch von Walt Disney.  Tatsächlich erschließt sich die Wahl der Farben und die abgebildeten Flügel und Federn erst, wenn man das Buch gelesen hat. Die Flügel sind das Symbol des Romans. Das innere Buch erinnert in seiner Gestaltung an ein Feuerwerk bzw. eine Explosion.

MEINUNG:

Das Buch spielt hauptsächlich in Berlin, zum größten Teil im Stadtteil Prenzlauer Berg. Das hat mir außerordentlich gut gefallen, da ich in dieser Gegend selbst aufgewachsen bin und ich die vielen erwähnten Orten sehr gut kenne. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive von Cliff, Alain und Margarete, wobei Margaretes Teile in Form von Briefen geschrieben sind. Dies hat den Vorteil, dass man immer genau weiß, dass es nun Margarete ist, die zu einem spricht. Die Parts von Cliff und Alain sind schon schwieriger auseinander zu halten, da die Autorin nicht, wie es bei vielen anderen Romanen der Fall ist, kenntlich gemacht hat, von wem die Geschichte in dem Moment erzählt wird. Der Wechsel findet innerhalb der Kapitel mehrfach statt. Der einzige Hinweis darauf ist das Symbol einer Feder. Die Erzählperspektive wechselt bei Alain und Cliff auch zwischen Ich- und personellem Erzähler. Hier ist auf jeden Fall Aufmerksamkeit vom Leser erforderlich, aber es bereitet keine großen Schwierigkeiten, wenn man erst einmal mit der Systematik vertraut ist. Geschickt verwebt die Autorin auch die Geschehnisse in der Gegenwart mit den Erlebnissen aus der Vergangenheit. Ich fand es außerordentlich bemerkenswert, wie sie das miteinander verbindet und es am Ende immer wieder schafft alles in sich schlüssig aufzuklären, z.B. in dem Fall, wenn Ereignisse aus der Vergangenheit erwähnt werden, aber der Zusammenhang in dem Moment noch nicht klar ist. Dieser Faden wird dann beim einem nächsten Erzählerwechsel wieder aufgegriffen und es folgt die Erklärung für den Leser.

Die Altersfreigabe ab 16 ist hier völlig angebracht und sollte auch eingehalten werden. Einige Stellen des Romans sind definitiv nicht jugendfrei. Ich stelle es mir schwierig vor, dass jemand mit 12, 13 Jahren diese Intensität und  die sich anbahnende Abwärtspirale einer Tragödie komplett erfassen kann. Das alles kann durchaus verstörend wirken. Ich komme nicht umhin zu sagen, dass mich das Buch mit einer gewissen Beklemmung zurück gelassen hat. Nicht nur, weil wir momentan und immer von diesen Themen in der Realität umgeben sind, sondern auch die Darstellung der sehr intensiven und innigen Beziehung der drei Protagonisten.

Oft hatte ich auch den Eindruck, dass die Autorin einen absichtlich verwirren. Nicht immer war klar, ob das Gelesene gerade Traum oder Wirklichkeit ist. Bis zuletzt war mir auch nicht klar, wie das Ganze ausgehen wird, was vor allem an Cliff lag. Die Absichten und Gefühle von Alain und Margarete sind stets relativ deutlich. Cliff dagegen hat vielen Wandlungen durchgemacht und dennoch kam er mir oft verloren vor, was nicht zuletzt an der schwierigen Beziehung zu seiner Mutter bzw. seinen Eltern liegt. Antonia Michaelis ist es gelungen eine glaubwürdige Darstellung  abzuliefern, wie sich ein junger, deutscher Mann dem Islamischen Staat anschließen kann. Das Thema des Romans ist brandaktuell und sehr gut recherchiert von der Autorin. Vor allem die Glaubensthemen den Islam betreffend und Hintergründe sind gut ausgearbeitet. Dennoch wirkt der Roman davon nicht überladen, sondern hat genau das richtige Maß an Informationen, welches nötig ist, um die Handlungen und Intentionen in einem gewissen Maß zu verstehen und nachvollziehen zu können. Im Vordergrund stehen ganz klar die drei Charaktere und deren miteinander verwobene Kindheit und Jugend sowie die daraus entstandene, tief verwurzelte Zuneigung, die sie unwiderruflich aneinander bindet.

FAZIT:

Sowohl inhaltlich als auch sprachlich konnte mich dieser Roman vollends überzeugen und bekommt von mir, trotz bitterem Nachgeschmack einen Ehrenplatz im Regal. Dies wird nicht das letzte Buch von Antonia Michaelis sein, welches ich lesen werde.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Hierbei handelt es sich um ein Rezensionsexemplar von Vorablesen. Vielen Dank dafür!

Ein Gedanke zu “Rezension „Die Attentäter“ von Antonia Michaelis

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