Rezension „Die Party“ – Elizabeth Day

Dumont Verlag | Gebundene Ausgabe | Übersetzer: Klaus Timmermann |  320 Seiten | 20,00 € |Amazon und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Martin Gilmour ist ein Einzelgänger. Aufgewachsen in trostlosen Verhältnissen, seinen Vater hat er nie kennengelernt. Seine Mutter hasst er bis zum heutigen Tag und meidet den Kontakt mit ihr, wo es nur geht. Es gibt nur einen Menschen, der ihm wirklich etwas bedeutet: Ben. »Mein bester Freund Ben«, sagt Martin. Wenn er es sich auch nicht eingesteht, so dreht sich in seinem Leben doch alles darum, Ben zu gefallen und ähnlich zu sein. Ben ist das genaue Gegenteil von Martin: attraktiv, beliebt, reich. Durch seinen Freund lernt er eine andere Welt kennen: die Welt der Oberschicht, der Privilegierten. Martin genießt es, dazuzugehören. Und so tut er alles für Ben – wirklich alles. Nach Jahren des Selbstbetrugs hat auch Lucy das begriffen. Ihr Ehemann Martin mag sie und braucht sie, aber Liebe? Liebe empfindet er nur für den Freund. Längst hat Martin, in scheinbarer Selbstlosigkeit, dafür gesorgt, dass dieser sich nie von ihm lösen kann. »Bens kleiner Schatten«, nennt ihn Bens Ehefrau Serena. Doch grenzenlose Hingabe kann lästig werden – so wie eine gemeinsame dunkle Vergangenheit.

MEINUNG:

Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden, weil ich unbedingt wissen wollte, was sicher hinter der Freundschaft zwischen Martin und Ben verbirgt und was genau passiert ist, weswegen die Party am Ende so eskaliert.

Denn das dem so ist, wird relativ schnell klar, weil das Buch gleich mit der Befragung von Martin auf einer Polizeistation einsteigt. Dabei ist aber noch nicht klar, was genau passiert ist und ob Martin verdächtigt wird. Das Buch enthält vier Erzählperspektiven: Die Befragung von Martin, das Tagebuch von Lucy, die Party und ein Rückblick von Martin in die Vergangenheit, wie er und Ben sich kennenlernten. Der Autorin gelingt es grandios diese ganzen Fäden am Ende zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenzuführen.

Der Spannungsbogen wird konstant gehalten, auch wenn man relativ schnell ahnt, was damals in der Vergangenheit vorgefallen ist. Das ist aber in Ordnung ist, da es ja kein Krimi/ Thriller ist. Es geht vielmehr um die Freundschaft zwischen Martin und Ben. Auch hier verrät der Klappentext eigentlich schon relativ viel. Das Ungleichgewicht zwischen den beiden wird schnell spürbar. Beide kommen aus völlig unterschiedlichen Welten. Martin sieht mehr zu Ben auf, kopiert sogar sein Aussehen. Eine gewisse Zuneigung zu Ben ist nicht abstreitbar. Dennoch hatte ich nicht den Eindruck, dass es um vorrangige Gefühle sexueller Natur ging, sondern Martin wollte einfach gesehen werden, für jemand wichtig sein. Mit seinem „Freundschaftsdienst“ versucht er das zu erreichen und schafft es doch nicht. Mir tat Martin oft leid, denn seine Zuneigung zu Ben ist obsessiv. Im Gegensatz zu Martin, konnte ich Ben überhaupt nicht leiden.

Ben ist der klassische junge, attraktive Mann aus der Oberschicht, der eine aufstrebende Karriere als Politiker vor sich hat. Natürlich wird hier auch eine Reihe von Klischees bedient, dennoch blieb er für mich eine authentische Person. Ich frage mich, ob Martin ihm überhaupt etwas bedeutet hat. Viel zu macht er sich über ihn lustig und behandelt ihn am Ende wie einen Fußabtreter. Martin wacht leider erst sehr spät auf. Dem Leser ist viel früher klar, dass es sich hier nicht wirklich um eine Freundschaft auf Augenhöhe handelt.

Richtig toll fand ich Lucy, Martins Ehefrau. Auch Lucy hat ihr Päckchen zu tragen und man fragt sich unweigerlich, wie sie einen Mann wie Martin heiraten konnte. Dennoch erschienen sie mir als gutes Team, auch wenn man hier weniger von einem sich liebenden Ehepaar sprechen kann. Als es aber hart auf hart kommt, halten sie zusammen. Lucy wirkt anfangs unscheinbar, aber sie ist eine klug, scharfsinnige Frau, die ihre Meinung auch kundtut. Ihre bissige Antworten lockern das doch recht beklemmende Buch häufig auf.

Das Buch zeigt auf, dass man soziale Schichten nicht einfach aufbrechen kann. Privilegierte, wie Ben finden immer eine Sonderbehandlung, selbst wenn sie Strafdaten begehen. Das ist bitter, aber wohl leider auch realistisch. Damit ließ mich das Buch ein wenig mutlos zurück und widerstrebt meinem Gerechtigkeitsempfinden.

FAZIT:

Ein durch und durch sehr gut geschriebenes und erzähltes Stück Literatur, welches mich wirklich begeistern konnte. Lediglich der Schluss war für mich mein Gerechtigkeitsempfinden nicht ausreichend, wenn auch realistisch.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise über Lovelybooks zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Weitere Meinungen:

Das Echo vom Alpenrand

 

 

Ein Gedanke zu “Rezension „Die Party“ – Elizabeth Day

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