Rezension „Kleine große Schritte“ – Jodi Picoult

C. Bertelsmann Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzer: Elfriede Peschel | 592 Seiten | 20,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Ruth Jefferson ist eine äußerst erfahrene Säuglingsschwester. Doch als sie ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr das von der Klinikleitung untersagt. Die Eltern wollen nicht, dass eine Afroamerikanerin ihren Sohn berührt. Als sie eines Tages allein auf der Station ist und das Kind eine schwere Krise erleidet, gerät Ruth in ein moralisches Dilemma: Darf sie sich der Anweisung widersetzen und dem Jungen helfen? Als sie sich dazu entschließt, ihrem Gewissen zu folgen, kommt jede Hilfe zu spät. Und Ruth wird angeklagt, schuld an seinem Tod zu sein. Es folgt ein nervenaufreibendes Verfahren, das vor allem eines offenbart: den unterschwelligen, alltäglichen Rassismus, der in unserer ach so aufgeklärten westlichen Welt noch lange nicht überwunden ist …

MEINUNG:

Seit vielen, vielen Jahren bin ich Jodi Picoult Fan und habe fast alle ihre Bücher gelesen. Ich denke, dass ich sagen kann, dass sie meine absolute Lieblingsautorin ist. Bisher sind mir nur wenige Schriftsteller begegnet, die so abwechslungsreich und vor allem eindringlich schreiben. Jodi Picoult ergreift oft Themen, die unbequem sind und man windet sich plötzlich in seiner eigenen Haut. Bei Themen, zu denen man vorher eine klare Meinung hattet, wird man durch ihre Romane häufig ein wenig erschüttert und gezwungen auch andere Seiten zu betrachten. In ihren Romanen gibt kein Weiß und Schwarz.

Kleine große Schritte ist ein Buch auf das ich mich sehr gefreut habe, aber seit Erscheinen im Oktober hatte ich lange Zeit nicht das Gefühl bereit für die Geschichte zu sein. Ich ahnte, dass es in Form des Rassismus eine schwere Thematik werden würde und dass es genauso ein Buch ist, durch das man auch wieder mit sich selbst, seiner Meinung und hier besonders mit der eigenen Stellung in der Gesellschaft konfrontiert wird.

Das Buch wird aus drei Sichten erzählt. Die Sicht von Kennedy, Ruths Anwältin, gefiel mir am besten und ich konnte mir hier auch am besten mit identifizieren. Die Sicht von Turk was für mich die Schlimmste, weil es für mich zum Teil unerträglich zu lesen war. Der Sicht von Ruth stand ich mit gemischten Gefühlen gegenüber, denn ich fand einerseits ihren Beruf so interessant, aber ihre Sichtweise aufs Leben war neu und ungewohnt für mich. Ich gab mich eigentlich bis jetzt der Vorstellung hin, dass zwischen Weißen und Schwarzen kein so großer Unterschied sein kann, jedenfalls nicht mehr heute, aber ich habe mich geirrt, wie das Buch mir aufzeigte.

Jodi Picoults Schreibstil ist sehr gehaltvoll und voll mit Informationen, die man erstmal verarbeiten muss. Es ist auf jeden Fall ratsam, dass Buch Stück für Stück zu lesen und Pausen zu lassen. Diese habe ich auch häufig genutzt, um noch parallel ein paar Sachen nachzulesen. Die Geschichte besteht zum größten Teil aus der Gerichtsverhandlung gegen Ruth, die des Mordes angeklagt ist. Ich bin großer Fan von Romanen, in denen es um Justiz und Anwälte geht. Schon alleine deswegen habe ich das Buch inhaliert. Ruths Fall ist nicht einfach, denn sowohl sie als auch der Leser erkennt das moralische Dilemma, in dem sie steckt. Was wiegt mehr? Der Wunsch der Eltern, dass ihr Kind nicht von einer Afroamerikanerin berührt und behandelt wird oder ihr Eid, der sie beschwor alles in ihrer Macht stehende zu tun, um Leben zu retten? Auch mir fiel es sehr schwer, wie so häufig in Jodi Picoults Romanen, hier einen klaren Standpunkt zu finden, weil am Ende beide Entscheidungen zu Ruths Verhängnis geworden sind bzw. geworden wären. Dennoch litt ich mit ihr. Beim Lesen krampfte sich mein Herz zusammen, so viel Ungerechtigkeit, wie ihr hier wiederfährt.

Rassismus wird zum zentralen Thema des Buches. Ich finde es eine unfassbare Leistung, wie Jodi Picoult hier aus den drei Ich-Perspektive geschrieben hat. Man spürt, wie viel Recherche hier geleistet worden ist. Auch Kennedy und Ruth reiben sich aneinander, auch sie auf einer Seite stehen. Ruth führt Kennedy immer vor Augen, wie privilegiert sie durch ihre Hautfarbe ist. Das Buch schafft es einem die Augen zu öffnen.

FAZIT:

Kleine große Schritte ist für mich das beste Buch, was Jodi Picoult je geschrieben hat. Es ist für mich ein Buchs fürs Leben. Ich kann nur jedem raten das Buch zu lesen, ganz besonders auch dann, wenn sich für Rassismus (in den USA) interessiert. Die Geschichte wird lange nachklingen und regt zum Nachdenken und zur Selbstreflexion an.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom C. Bertelsmann Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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Weitere Rezensionen von Jodi Picoult:

Bis ans Ende der Geschichte

Die Spuren meiner Mutter

 

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Ein Gedanke zu “Rezension „Kleine große Schritte“ – Jodi Picoult

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