Rezension „Die einzige Geschichte“ – Julian Barnes

KiWi Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzerin: Gertraude Krueger | 304 Seiten | 22,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

MEINUNG:

»Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden, oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzig wahre Frage.« Das ist die zentrale Frage, mit der man sich nach und zwischen der Lektüre als Leser beschäftigt und unter dieser Frage sollte man den Roman auch betrachten.

Die Liebe zwischen Paul und Susan ist im England der 1960er natürlich ein Skandal bzw. ist es ein einigen ländlichen Gebieten bestimmt heute noch. Der 19-jährige Paul verliebt sich in die fast 30 Jahre ältere Susan, die noch verheiratet ist. Damit brechen beiden natürlich jegliche Konvention. Lustigerweise ist zu beobachten, dass das lange gar nicht auffällt, weil man solch eine Verbindung schlicht und einfach nicht in Betracht zieht. Beide lernen sich recht unspektakulär beim Tennis kennen und Paul fährt Susan dann häufiger nach Hause. Die Liebe der beiden ist auch ziemlich unaufgeregt, denn es geht nicht darum, dass Paul unbedingt eine ältere Frau wollte und Susan nicht einen jugendlichen Liebhaber, weil sie sich in ihrer Ehe sexuell unbefriedigt gefühlt hat. Natürlich ist ihre Ehe nicht mehr ganz so intakt, wie sie sein sollte und öffnet sie für die Avancen von Paul. Anfangs merkt man auch, dass sie die Verbindung zu Paul gar nicht so richtig ernst nimmt.

Nachdem Susan und Paul endlich ihre Beziehung offen leben können, macht Susan eine Wandlung durch, die weder vom Vorteil für sie noch für ihre Beziehung zu Paul ist. Warum Susan, dann so „abstürzt“ kann man als Leser nur vermuten an Hand der diversen Vorkommnisse in ihrer Vergangenheit. Trotzdem verstand ich nicht, warum das genau dann passierte eigentlich alles in Ordnung war und sie mit Paul einen Mann an ihrer Seite hatte, der sie über alles liebt und für den sie alles war, aber der Weg von psychischen Erkrankungen ist manchmal unergründlich. Man sollte das hier nicht weiter hinterfragen, sondern einfach zu hinnehmen.

Paul kämpft in meinen Augen auch immer damit die Verantwortung für Susan loszulassen an einem Punkt, wo es eigentlich schon lange nicht mehr geht und sie auch nicht mehr die Frau ist, die er einst liebte und für die Paul auch nicht mehr an erster Stelle steht. Natürlich soll man als Liebende (beide sind nicht verheiratet) füreinander da sein, auch in schlechten Zeiten, aber es darf einen nicht selbst schaden und genau das macht Paul. Lieben heißt auch Los lassen, was natürlich immer leichter gesagt ist als getan. Ich mochte Paul sehr und habe mit ihm zusammen gelitten als ihn die Liebe seines Lebens verlassen hat.

FAZIT:

Die einzige Geschichte ist eine bittersüße Liebesgeschichte von einem jungen Mann zu einer älteren Frau, die ihn für sein ganzes Leben geprägt hat. Ich mochte, wie selbstverständlich und unvoreingenommen Paul Susan bis zum Schluss geliebt hat und es brach mir das Herz als er diese loslassen musste. Jeder Leser muss für sich selbst entscheiden, ob man lieber mehr liebt und dafür mehr leidet oder lieber weniger liebt und dafür weniger leidet.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom KiWi Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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Ein Kommentar zu „Rezension „Die einzige Geschichte“ – Julian Barnes

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