Ecco Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzerin: Hanna Granz |177 Seiten | 24,00 €

INHALT:
Kopenhagen, Hochsommer: Fünf Jugendliche und die namenlose Erzählerin leben nach längeren Aufenthalten in der Psychiatrie in einem betreuten Wohnheim, das ihnen den Weg zurück in den Alltag erleichtern soll. Die Abläufe sind einfach, aber nicht selbstverständlich: kochendes Wasser ist für Tee, nicht zur Selbstverletzung gedacht und ein offenes Fenster ist keine Einladung zum Sprung. Während des fliegenden Wechsels aus Diagnosen und Bezugspersonen formiert sich eine fragile, aber zutiefst berührende Wohngemeinschaft. Kann es eine hinreichende Sprache für die Erkrankungen der Psyche geben, und weiter, Fahrpläne für das Gewöhnliche?
MEINUNG:
Grundsätzlich bin auf das Buch aufmerksam geworden, weil es im Ecco Verlag erschienen ist und ich grundsätzlich die Bücher aus dem Verlag sehr schätze. Bei Welches Königreich hat mich auch sofort das Cover angesprochen, welches wirklich sehr ausdrucksstark. Außerdem lese ich gerne Literatur von skandinavischen AutorInnen.
Es gibt dem Buch keine so richtige Handlung. Die Kapitel sind kurz, oft nur ein paar Zeilen auf einer halben Seite. Für mich hat die Länge der Kapitel manchmal gut zum Gefühlsleben der namenlosen Erzählerin gepasst. Sie wohnt mit weiteren fünf Jugendlichen in einer betreuten Übergangs-WG nach einem längeren Aufenthalt in der Psychiatrie. Es soll eine Möglichkeit sein, wieder zurück einen relativ geregelten, „normalen“ Alltag zu finden, was allerdings gar nicht so einfach ist, denn das Konstrukt ist fragil und es gibt auch immer wieder Rückschläge und Rückfälle in die Krankheitsbilder. Ich finde, man hat gut verstanden, dass psychische Erkrankungen nicht einfach geheilt sind nach so einem Klinikaufenthalt. Das Leben, was darauf folgt bzw. die Rückkehr in einen gewöhnlichen Alltag, wie ihn Gesunde führen, ist ein Kraftakt.
Die Autorin hat die Gefühlslage der namenlosen Protagonistin relativ gut eingefangen. Einfache Tagesabläufe, die für viele Gesunde selbstverständlich sind, sind für sie eine Herausforderung. Die Autorin setzt sich außerdem kritisch mit dem dänischen Gesundheitssystem auseinander und gibt Einblick in die Gesetze. Für jemanden, der in Dänemark lebt sicher von höherem Wiedererkennungswert und interessanter als für LeserInnen. Auch ernüchternd zu wissen, dass sich Lebenserwartung mit der lebenslangen Einnahme von Psychopharmaka senkt. Ich mochte, die sensible Erzählweise, die immer wertfrei bleibt hinsichtlich der Protagonisten und ihren Erkrankungen.
FAZIT:
Welches Königreich ist eine kurze und intensive Momentaufnahme eine Art psychiatrischen Übergangs-WG. Jede Person hat ihr bzw. sein ganz eigenes Päckchen zu tragen und versucht ein Weg ein weitestgehend normales Leben zu finden, was oft auch mit Rückschlägen verbunden ist. Die Autorin gibt zu dem Einblick in das dänische Gesundheitssystem.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Ecco Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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Ein Kommentar zu „Rezension „Welches Königreich“ – Fine Grabol“