Rowohlt Verlag* | Gebundene Ausgabe | 214 Seiten | 23,00 €

INHALT:
Während ihre Freundinnen Kinder bekommen und Instagram eine einzige Happy-Wife-Happy-Life-Show zu sein scheint, sitzt Katharina in ihrer Wohnung und betäubt sich mit Arbeit und Trash-TV. Mit Ende dreißig hat sie sich arrangiert mit diesem recht ereignislosen Leben, in dem noch alles möglich ist. Das zumindest glaubt sie, bis sie erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Plötzlich fühlen sich die Nächte in Kneipen und die Tage am Schreibtisch nur noch sinnlos an. Dann nimmt sie eine ehrenamtliche Stelle in der Seniorenresidenz Sonnenhang an. Die Wochenenden bestehen nun aus Eierlikörschmuggel, Kniffeln und skurrilen, liebenswürdigen Begegnungen. Als die nächste große Entscheidung ansteht, muss Katharina sich fragen, was sie eigentlich will. Und ob sie nicht ganz unbemerkt schon längst gefunden hat, wonach sie so verzweifelt sucht.
MEINUNG:
Kathrin Weßling ist eine Autorin, der ich schon lange folge und ihre Bücher auch sehr gerne lese. Sie trifft einfach einen Nerv bei mir, der gut zu meiner Lebensphase passt. Nix passiert“ mochte ich sehr und auf Sonnenhang habe ich mich auch schon viele Monate gefreut.
Ich habe den Erzählton von Kathrin Weßling dieses Mal als viel gesetzter und ruhiger empfunden, was sicher auch an ihrer Protagonistin Katharina Webeling liegt, die fast ein bisschen wie sie selbst heißt. Ich kann mir vorstellen, dass ein paar biographische Parallelen gibt zumindest hinsichtlich der Depression. Katharina ist Ende 30, Single und allein lebend mit ihrer Katze in Berlin-Wedding. Sie befindet sich damit in einem Lebensabschnitt, in dem viele andere Menschen bereits verheiratet sind, ein oder mehrere Kinder haben und vielleicht auch in einem Haus mit Garten wohnen. Nun könnte man sagen, jeder wie er mag, aber Katharina ist keineswegs glücklich über diesen Zustand. Besonders schlimm wird es, als ihr die Gebärmutter entfernt werden muss und sie sich damit konfrontiert sieht nie eigene Kinder zu bekommen. Die Autorin beschreibt Katharinas Schmerz darüber so gut, dass mit Katharina hätte weinen können. In meinen Augen wird gut aufgezeigt, dass sich das Lebensglück nicht immer in Elternschaft und Heirat finden lassen muss. Das muss auch Katharina verstehen, auch wenn der Weg dahin wirklich schwer ist.
Ich hatte dein Eindruck, dass Katharina sich auch allein gelassen fühlt in ihrer Situation, denn ihre Freundin mit zwei Kindern hat kaum Zeit für sie und eine andere Freundin ist auch in einer Partnerschaft. Es zeigt mal wieder, wir konzentriert unsere Gesellschaft auf die Paarbeziehung ist. Ihre Arbeit im Altersheim sorgt dafür, dass Katharina zumindest unter Menschen ist, auch wenn diese Personen ein ganz anders Leben haben. Sie bieten einen starken Kontrast zu Katharina, denn für sie ist das Leben praktisch vorbei. Katharina hat auch ohne Uterus noch genug Möglichkeiten. Es braucht seine Zeit bis Katharina da erkennt. Ich fand es schön, wenn vielleicht auch ein bisschen kitschig beschrieben, dass sie hier in den Alten so etwas wie Wahlfamilie bekommt – Personen, denn sie wichtig ist.
FAZIT:
Sonnenhang ist trotz aller ernsten und schweren Themen ein humorvoller und vor allem hoffnungstiftender Roman. Ich finde, dass sich der Roman erwachsener liest als andere Bücher der Autorin. Kathrin Weßling hat mit Protagonistin Katharina eine Charakter geschaffen, mit dem man sich identifizieren kann und die sich trotz aller Höhen und Tiefen immer wieder aufrappelt, ohne dass es unauthentisch und überspitzt wirkt.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Rowohlt Verlag* über NetGalley* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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