Rezension „Die Nachtigall“ – Kristin Hannah

Aufbau Verlag | Hardcover | 608 Seiten | 19,99 € | Amazon

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INHALT:

Zwei Schwestern im von den Deutschen besetzten Frankreich: Während Vianne ums Überleben ihrer Familie kämpft, schließt sich die jüngere Isabelle der Résistance an und sucht die Freiheit auf dem Pfad der Nachtigall, einem geheimen Fluchtweg über die Pyrenäen. Doch wie weit darf man gehen, um zu überleben? Und wie kann man die schützen, die man liebt?

In diesem epischen, kraftvollen und zutiefst berührenden Roman erzählt Kristin Hannah die Geschichte zweier Frauen, die ihr Schicksal auf ganz eigene Weise meistern.

COVER:

dsc00958Das Cover des Romans ist sehr hochwertig verarbeitet und man muss aufpassen das in den Schutzumschlag kein Riss hinein kommt. Das Cover erstrahlt trotz des schweren Inhalts in hellen bzw. leuchtenden Farben. Ins Auge sticht die Abbildung der Nachtigall, auf dessen Körper der Eiffelturm zu sehen ist. Auch innen ist das Buch schön gestaltet. In den Buchdeckeln, sowohl vorne als auch hinten, ist jeweils die Fluchtroute von Paris nach San Sebastian dargestellt. Man bekommt gleich einen Eindruck, welchen langen Weg Isabelle auf sich genommen hat.

MEINUNG:

Dem Hype, der um das Buch gemacht wurde und immer noch wird, konnte auch ich mich nicht entziehen. Doch bei diesem Buch ist es anders. Die ganze Thematik des Zweiten Weltkriegs gehört nicht zu meinen Lieblingen in der Bücherwelt. Nicht, dass mich das nicht interessiert, ganz im Gegenteil. In meiner Jugendzeit habe ich mich sehr dafür interessiert und habe quasi alles in mich aufgesaugt. Irgendwann kam eine Zeit in der ich die Bilder und das ganze Grauen einfach nur noch schwer ertragen konnte, ohne davon schlaflos Nächte zu bekommen.

Die Nachtigall allerdings spielt in Frankreich und wie in Frankreich der Zweite Weltkrieg vor allem für die Zivilbevölkerung war, ist weder Teil des Schulunterrichtes, noch häufig der Ort des Geschehens in Bücher und Filmen. Der Roman liefert für mich erstmals ein Portrait, wie der Krieg seine Spuren in Frankreich hinterlassen hat. Dieses Portrait liefert uns der Roman anhand der beiden Schwestern Isabelle und Vianne Rossignol. Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Nach dem frühen Tod der Mutter werden sie von ihrem Vater ins ferne Carriveau zu einer fremden Frau geschickt. Die beiden Schwestern gehen damit unterschiedlich um. Vianne findet früh ihre große Liebe Antoine und Isabelle schlägt von einem Internat ins andere. Anstatt zueinander zu halten, liegt ein Graben zwischen den Schwestern.

In der ersten Hälfte des Romans konnte ich weder mit Vianne noch mit Isabelle wirklich viel anfangen. Vianne ist sehr ängstlich und will die Dinge nicht wirklich war haben. Isabelle ist aufsässig, voller Widerstand und ich habe immer eine innere Wut in ihr gespürt. Beide sind sie zunächst naiv gewesen, jede auf ihre Art. Dennoch ist Isabelle von vornherein unerschrocken. Warum das so ist, wird im Roman nach und nach deutlich. Diese Unerschrockenheit verhilft ihr zu dem Mut, den sie braucht, um sich dem französischen Widerstand anzuschließen und abgestürzten Piloten über die französische Grenze über die Pyrenäen nach Spanien zu schleusen. Ich habe Isabelle dafür sehr bewundert, auch dafür, dass sie niemals an der Sache gezweifelt hat. Viannes Mann Antoine wird relativ früh für den Kriegsdienst eingezogen und ein Offizier der Wehrmacht, Beck, quartiert sich bei Vianne und ihrer Tochter Sophie ein. Vianne Teil der Geschichte spiegelt wider, wie es Frauen wie ihr zu der Zeit ergangen ist. Es gibt kaum noch etwas zu essen. Sie stehen unter ständigen Beobachtung der Deutschen und müssen unter deren Tyrannei leiden. Sie erleben wie enge Freunde und Familie in die KZs deportiert werden.

Die Wege der Schwestern kreuzen sich immer mal wieder, aber im Großen und Ganzen erleben wir zwei verschiedene Geschichten. Es gibt noch eine dritte Person im Roman als Erzählerin, bei der lange verborgen bleibt, um wen es sich handelt. Diese Teile nehmen nur einen kleinen Teil ein, aber ich wollte unbedingt wissen, was da dahinter steckt. Die erste Hälfte des Romans fand ich interessant, aber sie konnte mich noch nicht so richtig packen, ganz im Gegensatz zur zweiten Hälfte. Hier hat es mich wirklich gepackt. Es passieren viele schreckliche Dinge, an denen beide Schwestern enorm wachsen und sie verlieren ihre anfängliche Naivität. Die Autorin hat manchmal Dinge angedeutet, die passieren könnten. Als die nicht sofort eintraten, habe ich mich in Sicherheit gewähnt, dass dieses Leid nicht eintreten wird und dann ist es doch passiert. Es ist kein reines Aneinanderreihen der Schrecken und Grausamkeiten dieser Zeit, aber Kristin Hannah beschönigt auch nichts. Das Schlimme daran ist, dass einem bewusst ist, dass das wirklich so passiert ist.

Als sich das Buch dem Ende zugeneigt hat, habe ich immer mehr Angst gehabt weiterzulesen. Ich habe im bei den Jahreszahlen am Anfang der Kapitel schon immer gedacht, dass sie es bald geschafft haben und nur gehofft, dass alle mehr oder weniger gut ausgeht. Dennoch hat mich das Ende so sehr berührt und ich hatte so einen dicken Kloß im Hals, wie es bei fast noch keinem Buch hatte. Ich habe den Fehler gemacht und habe es abends zu Ende gelesen. Die Nacht konnte ich vergessen. Das Buch lehrt einen auch, dass man sich unfassbar glücklich schätzen kann in einem Land zu leben, in dem Frieden herrscht.

FAZIT:

Kristin Hannahs Roman schildert die Geschichte zweier Frauen, die im Zweiten Weltkrieg Großes geschafft haben, stellvertretend für alle Frauen dieser Zeit. Es ist wichtig und richtig, dass diese Geschichte, wenn auch fiktiv, von möglichst vielen gelesen wird. Mich hat dieses Buch unfassbar berührt. Ich habe selten so mit Protagonistinnen gelitten und so viele schlaflose Nächte gehabt. Es ist kein nicht unbedingt ein Buch für zart Besaitete, aber es ist eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

Ich vergebe  5 von 5 Sternen.

Das Rezensionsexemplar wurde mir freundlicherweise vom  Aufbau Verlag zur Verfügung gestellt. Außerdem habe ich das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks. Vielen Dank dafür!

 

Ein Gedanke zu “Rezension „Die Nachtigall“ – Kristin Hannah

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