Rezension „Gott ist nicht schüchtern“ – Olga Grjasnowa

Aufbau Verlag* |Gebundene Ausgabe | 309 Seiten | 22,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

9783351036652

 

Quelle: Aufbau Verlag

 

INHALT:

Als die syrische Revolution ausbricht, feiert Amal ihre ersten Erfolge als Schauspielerin und träumt von kommendem Ruhm. Zwei Jahre später wird sie im Ozean treiben, weil das Frachtschiff, auf dem sie nach Europa geschmuggelt werden sollte, untergegangen ist. Sie wird ein Baby retten, das sie fortan ihr Eigen nennen wird.
Hammoudi hat gerade sein Medizinstudium beendet und eine Stelle im besten Krankenhaus von Paris bekommen. Er fährt nach Damaskus, um die letzten Formalitäten zu erledigen. Noch weiß er nicht, dass er seine Verlobte Claire niemals wiedersehen wird. Dass er mit hundert Wildfremden auf einem winzigen Schlauchboot hocken und darauf hoffen wird, lebend auf Lesbos anzukommen. In Berlin werden sich Amal und Hammoudi wiederbegegnen: zwei Menschen, die alles verloren haben und nun von vorn anfangen müssen.

MEINUNG:

Die Flucht aus Syrien ist ein Thema, was uns in Deutschland schon viele Jahre nun beschäftigt, weil es direkte Auswirkung auf uns hat. Trotz aller möglichen journalistischen Publikationen, die man dazu lesen, hören oder sehen kann, habe ich mich nie ernsthaft damit auseinandergesetzt, was einen Menschen dazu bringt aus seiner Heimat mehrere tausend Kilometer zu fliehen. Die Palette an Faktoren dabei ist sicherlich vielfältig. Literatur ist für mich immer ein Weg sich mit solchen Themen zu beschäftigen, um die Gedanken und Gefühle solcher Menschen besser verstehen zu können. Auch wenn Romane fiktiv sind, ist doch immer viel Wahres dran.

Auch der Roman von Olga Grjasnowa liest als ein solcher. Es wird abwechselnd aus der Sicht von Amal und Hammoudi erzählt. Beide haben zunächst nicht wirklich viele Berührungspunkte miteinander, sondern sie stellen zwei beispielhafte Lebensläufe einer syrischen Frau und eines syrischen Mannes dar. Die Sprache von Olga Grjasnowa ist sehr nüchtern. Der Roman wirkte zunächst auf mich mehr wie ein Bericht als ein Roman. Zunächst lernt man Amal und Hammoudi kennen. Hierzu verrät der Klappentext schon einiges, sodass ich das an dieser Stelle nicht noch einmal wiederhole.

Ich habe mich bisher nicht wirklich mit dem Konflikt in Syrien beschäftigt, also wann das losging und was die Auslöser waren. Das Buch lädt dazu sich damit parallel ein wenig zu beschäftigen, denn im Verlaufes des Romans wird deutlich spürbar, dass sich die Lage zuspitzt. Viele Leute verlassen das Land, Es gibt Zerstörungen. Leute werden getötet. Man weiß nicht mehr, wem man vertrauen kann. Sich gedanklich und auch durch Taten einer Form Widerstand anzuschließen ist lebensgefährlich. Die Autorin beschreibt diese Tatsachen in aller Nüchternheit und Klarheit. Sie schreibt so, wie es vermutlich auch ist. In dem Moment ist man als Leser froh im richtigen Land geboren zu sein.

Auch die Einblicke als sie Europa/ Deutschland ankommen sind sehr eindringlich, wenn auch relativ kurz, da das Buch ja auch nur gute 300 Seiten hat. Dennoch reicht es um zu verstehen. In Syrien waren Amal und Hammoudi angesehene Leute, hatten ein Job, Familie und Freunde. In Deutschland sind sie Fremde und müssen sich mühsam wieder einen gewissen Lebensstandard erarbeiten und die Sehnsucht nach der Heimat bleibt ein stetiger Begleiter.

FAZIT:

Gott ist nicht schüchtern ist eine Geschichte, die man mal gelesen haben sollte, um Syrer besser verstehen zu können und warum man aus diesem Land flieht. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass es sich mehr wie ein Tatsachenbericht las als ein klassischer Roman.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Aufbau Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

8 Gedanken zu “Rezension „Gott ist nicht schüchtern“ – Olga Grjasnowa

  1. Hallo Jenny,

    dieses Buch liegt schon eine lange Weile auf meiner Wunschliste und irgendwann werde auch ich es lesen. Ich freue mich, dass es dir gefallen hat, auch wenn du es lieber etwas mehr als Roman gehabt hättest. Wahrscheinlich ist die ganze Thematik sehr kalt und nüchtern und es ist gar nicht so leicht, einen Roman nicht so zu schreiben.
    Ich verfolge viele Nachrichten zu Syrien und habe auch schon einige Autobiografien über die Flucht von dort gelesen. Sie sind alle eindringlich, unterschiedlich und haben eines gemeinsam: Keiner dieser Menschen, ob jung oder alt, ist freiwillig gegangen. Sie lieben ihre Heimat. Das ist sehr schmerzhaft, wenn man hört, wie viele hier in Europa dann behandelt werden…

    Bald wird es auf meinem und noch zwei weiteren Blogs eine Syrien-Blogtour geben. Wir werden solche Fluchtgeschichten und auch Interviews mit den Autoren vorstellen. Das eine oder andere Thema wird das Ganze abrunden. Bücher werden wir auch verlosen. Vielleicht hast du ja Interesse, mehr über Syrien zu erfahren. 🙂

    GlG und ein schönes Wochenende,
    monerl

    Gefällt 1 Person

    • Hallo monerl,

      da hast du recht, dass es sicher nicht einfach ist das Thema nicht recht nüchtern/ kalt rüber zu bringen. Das Buch ist halt schwierig zu bewerten. Ob eine fiktive Geschichte gefällt oder nicht ist ja oft Geschmackssache, aber hier kann man so gar nicht ran gehen, da man ja weiß, dass sowas wirklich passiert.

      Gerne schaue ich bei dir vorbei. Ich habe mich bisher noch nicht so viel mit der Thematik beschäftigt.

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Jenny

      Gefällt mir

  2. Wow! Das Buch ist mir immer mal in Buchläden begegnet, doch dachte ich gar nicht, dass es den Syrienkonflikt behandelt und es letztlich um einen so brisanten Schauplatz geht. Er begegnet uns stetig in den Medien und ist doch so komplex. Das Buch intressiert mich jetzt, dank deiner Rezension. Es ist auch gut zu wissen, dass es scheinbar eine Kombination aus Sachbuch und Roman ist – dann lese ich es gleich anders. 😊 Wenn auch kein Roman und eher biographisch – empfehle ich dir „Ich komme auf Deutschland zu“ von First Alshater, er wurde durch YouTube bekannt und war Filmregisseur in seiner Heimat Syrien. Das Buch ist unterhaltsam, aber auch erschütternd und informativ. Du kannst dir auch vorab die Videos anschauen. Seine Reihe „Zukar“ stellt auf witzige Art Vergleiche zwischen Syrien und Deutschland und zeigt die Situation von Flüchtlingen in Deutschland…

    Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Monatsrückblick Februar | Eulenmatz Liest

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