Rezension „Kretische Feindschaft“ – Nikos Milonás

Fischer Scherz Verlag* | Gebundene Ausgabe | 416 Seiten | 16,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Wenn Kommissar Michalis Charisteas morgens vor der Arbeit seinen ersten Ellinikos trinkt und dabei den Blick auf den malerischen venezianischen Hafen seiner Heimatstadt Chania genießt, kann er sich nicht vorstellen, an einem anderen Fleck der Erde zu leben. Die Touristen schlafen noch, von den Bergen weht der Duft von Thymian, Oleander und den blühenden Olivenbäumen herüber und vom Meer der Geruch von Salz und Muscheln.

Alles wäre perfekt, könnte in diesem Moment seine Freundin Hannah bei ihm sein. Aber Hannah ist Deutsche und kommt nur alle paar Monate nach Kreta, was für Michalis und seine große Familie jedes Mal ein besonderes Ereignis ist und alle in helle Vorfreude versetzt.

So auch an diesem Tag Ende April. Doch noch bevor Michalis Hannah am Nachmittag am Flughafen in die Arme schließen kann, steckt er mitten in einem neuen Fall. Der Bürgermeister des Nachbarorts wird vermisst und kurz darauf tot in einem Autowrack an der Felsenküste gefunden. Ein Unfall, wie die örtliche Polizei schnell feststellt. Doch im Gegensatz zu seinen Kollegen gibt sich Michalis nicht mit einfachen Erklärungen zufrieden. Bei seinen nicht immer ganz offiziellen Ermittlungen stößt er auf alte Feindschaften, die weitere Opfer fordern werden …

MEINUNG:

Nikos Milonás ist das Pseudonym vom deutschen Autor Frank D. Müller. Ich war zunächst etwas skeptisch, weil es sich hier nicht um einen „echten Griechen“ handelt und der Krimi für mich vor allem auch optisch eher in die Kategorie Provence Krimi gehört, aber mich hat das Buch positiv überrascht.

Symapthieträger ist Kommissar Michalis Charisteas, der zusammen mit seinem Kollegen zunächst das Verschwinden des Bürgermeisters im Nachbarort und später auch dessen Mord ermittelt. Obwohl es einer deutscher Autor ist, hat der die ganzen kretischen Gepflogenheiten recht gut eingefangen, was ich natürlich nur als Laie beurteilen kann. Definitiv laufen Ermittlungen aber nicht wie in Deutschland. Das bekommt auch Michalis zu spüren, denn er bekommt sprichwörtlic häufiger einen Maulkorb verpasst und darf trotz offensichtlicher Unstimmigkeiten gewissen Dingen nicht nachgehen. Wenn man das so liest, bekommt auch an der einen oder anderen Seite mal so seine Zweifel, ob das Rechtssystem so funktioniert, wie es sollte.

Man spürt sehr genau, dass der Familienverbund hier über allem steht. Auch Michalis Familie weiß über alle Bescheid und die ganze Familie mischt sich auch immer wieder in seine Privatleben ein, dass man als solches eigentlich gar nicht bezeichnen kann. Das bekommt auch Michalis deutsche Freundin Hannah zu spüren, die ich allerdings etwas zu überzeichnet fand. Sie hat zwar auch ihre klaren Vorstellungen, aber seine Familie und natürlich auch er lieben sie abgöttisch, natürlich ist sie wunderschön und spricht auch schon recht gut Griechisch. Von meiner Seite wäre das Konfliktpotential hier ziemlich groß, wenn die Familie meine Privatsspähre nicht respektiere würde, doch Hannah nimmt es meistens mit Humor. Michalis ist sich dem auch sehr bewusst, steht da aber ein wenig zwischen den Stühlen. Wenn es noch mehr Bände um den Kommissar gibt, bin ich gespannt, wie es sich zwischen den beiden weiterentwickelt.

Der Schreibstil des Autors ist sehr flüssig lesebar und bin förmlich durch die Seiten gepflogen. Die Geschichte hatte auch ein paar spannende, nicht vorhersehbare Wendungen, die das Lesen sehr angenehm gemacht haben. Ich wäre durchaus gewill, hier weiterzulesen, obwohl ich absolut kein Griechlandfan bin und nur einmal auf Kreta war, wo es mir nicht sonderlich gefallen hat. Dennoch machen die Beschreibungen des Autoren Lust auf die Insel und das möchte in diesem Fall schon etwas bei mir heißen.

FAZIT:

Kretische Feindschaft habe ich sehr gern gelesen und fand es bis auf ein paar Kleinigkeiten einen gelungenen Auftakt um den griechischen Kommissar Michalis Charisteas. Ich bin gespannt, ob es hier weitere Teile geben wird.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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3 Kommentare zu „Rezension „Kretische Feindschaft“ – Nikos Milonás

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