Rezension „Unter Wasser Nacht“ – Kristina Hauff

Hanserblau Verlag* | Gebundene Ausgabe | 288  Seiten | 20,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

In den idyllischen Elbauen im Wendland teilen zwei Paare Hof, Scheune und Kräutergarten – doch ihre einst enge Freundschaft ist zerbrochen. Thies und Sophie trauern um ihren Sohn Aaron, der unter ungeklärten Umständen ertrank. Allein mit ihren Schuldgefühlen müssen sie Tag für Tag Ingas und Bodos scheinbar perfektes Familienglück mit ansehen. Bis ein Jahr nach Aarons Tod eine Fremde in den Ort kommt und ans Licht bringt, was die vier Freunde lieber verschwiegen hätten.

MEINUNG:

Unter Wasser Nacht ist der erste Roman, den die deutsche Autorin Susanne Kliem unter dem Pseudonym Kristina Hauff bei Hanser veröffentlich hat. Die Krimis, die die Autorin geschrieben hat, kannte ich bisher nicht, aber Unter Wasser Nacht hat mich schon in den Vorschauen magisch angezogen. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mir das Wendland nicht wirklich ein Begriff war bzw. ich konnte es nicht genau orten und dass obwohl es von Hamburg, wo ich wohne, nicht weit entfernt ist.

Das zentrale Thema von Unter Wasser Nacht ist der Tod von Aaaron, dem Sohn von Sophie und Thies. Aaaron ist unter ungeklärten Umständen in der Elbe ertrunken. Sophie und Thies sind seit vielen Jahren eng mit Inga und Bodo befreundet und wohnen mit ihnen Haus and Haus im Wendland, der Heimat von Thies, Inga und Bodo. Inga und Bodo haben zwei Kinder. Es fällt Sophie und Thies schwer dieses so scheinbar perfekte Familienglück direkt vor ihren Augen täglich zu ertragen. Die vier Erwachsenen kennen sich schon seit ihrer Jugendzeit. Vor allem Thies, Inga und Bodo haben lange Zeit in einer WG gewohnt und zusammen in Hamburg studiert. Der Tod von Aaaron stellt die Freundschaft auf eine harte Probe.

Sophie und Thies versuchen jeder auf seine Art mit dem Tod von Aaaron zurecht zu kommen. Es ist zu beobachten, dass beide auch Schwierigkeiten haben in der Trauer einen gemeinsamen Weg zu finden. Ich würde nicht sagen, dass die Ehe zu Beginn völlig zerbrochen ist, aber viel fehlt auch nicht mehr, wenn sich nicht etwas entscheidendes ändert. Seite für Seite lernt man auch Aaaron besser kennen und stellt fest, dass er ein ziemlich schwieriges Kind war, was andere tyrannisiert hat. Meiner Meinung nach wird hier auch ein Tabu-Thema aufgegriffen, denn schließlich soll man über Tote nicht schlecht sprechen und schon gar nicht über Kinder, die ihr ganzes Leben noch vor sich haben. Diesen Aspekt verarbeitet die Autorin sehr sensibel, aber es ist unbequem sich damit auseinander zu setzen, auch für die vier Erwachsenen und deren Kinder. Jeder hat sich bei dem Gedanken erwischt das ein oder andere mal froh zu sein, wenn Aaron nicht anwesend war.

Gleich zu Anfang des Romans taucht die Fremde namens Mara auf, die beide Paar inkl. der Kinder gehörig durcheinander bringt und das zunächst völlig positiv gemeint. Es war erstaunlich zu sehen, wie sie es schaffte fast schon unbewusst als eine Art Mediatorin aufzutreten. Die Fronten zwischen den Freunden schienen schon recht verhärtet, da vor allem Sophie Inga als ihre Freundin nicht mehr an sich heran gelassen hat. Mara findet problemlos (fast) zu allen Zugang und scheint für jeden das sein zu können, was derjenige/ diejenige momentan braucht. Sie schafft es auch, dass zwischen alle wieder eine Kommunikation möglich wird. Dennoch fragt sich der Leser, was es mit Mara auf sich hat und damit schafft die Autorin auch ein unterschwellige Spannung. Außerdem ist da noch die ungeklärte Todesursache von Aaaron. Neben der übermächtigen Trauer, steht auch die Schuldfrage im Raum, wie es so häufig der Fall ist, wenn jemand plötzlich bzw. an einem Unfall stirbt.

Beim Lesen wechselt hauptsächlich die Perspektive zwischen Thies, Sophie und Inga. Ich braucht ein bisschen um rein zu kommen, aber dann las sich das Buch sehr schnell weg und ich musste mich beinahe schon bremsen. Ich mochte auch das Einstreuen von so ein paar Hintergrundinformationen zum Wendland und den damit verbundenen Castor-Transporten in Gorleben, die real passiert sind, aber auch Teil von vor allem Bodos und Thies‘ Jugend waren. Mara kommt aus Christiania, eine Freistadt mit in Kopenhagen. Von dieser habe ich noch nie etwas gehört, fand aber interessant darüber zu erfahren und las parallel noch weitere Hintergrundinformationen dazu.

FAZIT:

Unter Wasser Nacht nimmt den Leser mit ins Wendland zu Sophie, Thies, Inga und Bodo. Die Trauer und auch damit häufig einhergehende Schuldfrage um Sophies und Thies‘ Aaron ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, aber die Autorin streift auch viele weitere interessante Themen und erzeugt durch ein subtile Spannung auf einer recht überschaubaren Anzahl von Seiten ein sehr facettenreichen Roman, den ich kaum aus der Hand legen konnte. Ich freue mich auf das nächste Buch der Autorin!

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von hanserblau Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

3 Kommentare zu „Rezension „Unter Wasser Nacht“ – Kristina Hauff

  1. Ein absolut unnötiges Buch! Ich hätte es nicht zu Ende gelesen, hatte nichts anderes dabei. Pseudopsychologisch, platte Dialoge wie aus dem Psychologie-Ratgeberbuch. Und – unglaublich – ein Druckfehler: An einer Stelle ist von Hausbesitzern die Rede, obwohl Hausbesetzer gemeint sind! Wie kommt so etwas „Dümmliches“ auf den Büchermarkt? Es ist von einem „bösen“ Jungen die Rede, der jeden Abend die Tochter eines befreundeten Ehepaares auffordert, ihn aufzusuchen, um sich schlagen zu lassen – an Stellen, an denen man dann keine blauen Flecken sieht – Häh? Wo ist da die Logik? ich kann nur dringend abraten!!

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Birgit,

      mir hat es sehr gut gefallen, wie du sicher meiner Rezension entnehmen kannst. Bücher sind am Ende auch Geschmacksache. Ich bin mir allerdings unsicher, ob mein Blog und die Rezension dazu der richtige Ort sind um derlei Frust über das Buch abzulassen, wie du es mit deinen Aussagen tust.

      Liebe Grüße,
      Jenny

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