Rezension „23 Uhr 12“ – Adeline Dieudonné

dtv Verlag* | Taschenbuch |  Übersetzerin: Sina de Malafosse | 161  Seiten | 18,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Eine Sommernacht an einer Autobahn-Raststätte in den Ardennen. Im hellen Neonlicht werden ein Dutzend Personen um 23:12 Uhr Zeuge, wie eine alte Frau über die Leitplanke der Fahrbahn klettert. Die Kassiererin der Tankstelle; Chelly, die Pole-Dance-Lehrerin; Alika, das philippinische Kindermädchen; Victoire, 25-jähriges Topmodel; Loic, Autoschlosser und Pick-up-Artist; Joseph, Handelsvertreter für Milben …:

MEINUNG:

Adeline Dieudonné hat mich mit Das wirkliche Leben initial abgeholt und begeistert und mit Bonobo Moussaka ging es dann weiter. Man kann sagen, die Autorin mit ihrer Art zu schreiben auf jeden Fall heraussticht, weil sie etwas wagt und ihre Geschichten auch nichts beschönigen.

23 Uhr 12 ist nun ein Roman in zwölf Geschichten. Zwölf Geschichten von zwölf Personen, die irgendwie miteinander zusammenhängen sollen. Alle eint das Ereignis, dass sie Zeuge werden um 23:12 Uhr, wie eine alte Frau über eine Leitplanke auf die Fahrbahn klettert.

Besonders im Gedächtnis ist mir die Gesichte um das Pferd Red Apple geblieben, welches sie auch dessen Sicht geschrieben. Geschichten von Tieren gehen mir immer sehr zu Herzen, zumal klar war, dass dies hier keine schöne Geschichte wird. Die Autorin schaffte hier auch, ohne es direkt zu benennen, was sich hier für Tragödien abgespielt haben. Außerdem ist mir die Geschichte um den Delphin, der auch das Cover schmückt und der jungen Frau in Erinnerung geblieben. Sie hat eine sehr starke Abneigung gegen Delphine, was irgendwie erstmal unerklärlich scheint, da man die Tiere meistens als gutmütig und freundlich abgespeichert hat. In ihrer Kindheit gab es allerdings einen Vorfall, der bei mir Schock und Ekel hervorgerufen hat, vor allem, weil niemand ihr geholfen hat.

Die Sprache von Adeline Dieudonné ist rau, ungeschönt und explizit, auch hinsichtlicher sexueller Handlungen. Das muss man abkönnen. Sie guckt direkt in menschliche Abgründe und stellt die menschlichen Schattenseiten ins Rampenlicht. Vieles mutet wirklich surreal an, weil man sich denkt: Kann es sowas wirklich geben? Allerdings gibt es auch Geschichten, die ganz reale Missstände in unserer Gesellschaft aufzeigen, wie ein junge Frau, die lediglich als Gebärmaschine betrachtet wird, ein philippinischen Kindermädchen, welches fernab von ihren eigenen Kindern ein Leben unter schlechten Arbeitsbedingungen bei reichen Leuten fristet und missbräuchliche Handlungen in der Ehe gegenüber Frauen.

FAZIT:

Adeline Dieudonné hat wieder mal mit 23 Uhr 12  bewiesen, dass sich ihre Geschichte und Romane von anderen abheben. Sie hat ein sehr guter Gespür für Zwischenmenschliches und menschliche Abgründe. Einige Geschichten werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Ich würde es aber eher als eine Art Kurzgeschichtensammlung ansehen, da mir für einen Roman der rote Faden gefehlt hat bzw. habe ich ihn nicht erkannt.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Dtv Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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Ein Kommentar zu „Rezension „23 Uhr 12“ – Adeline Dieudonné

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