Kurz-Rezension „Dschinns“ – Fatma Aydemir

Hanser Verlag* | Gebundene Ausgabe | 368 Seiten | 24,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Dreißig Jahre hat Hüseyin in Deutschland gearbeitet, nun erfüllt er sich endlich seinen Traum: eine Eigentumswohnung in Istanbul. Nur um am Tag des Einzugs an einem Herzinfarkt zu sterben. Zur Beerdigung reist ihm seine Familie aus Deutschland nach. Fatma Aydemirs großer Gesellschaftsroman erzählt von sechs grundverschiedenen Menschen, die zufällig miteinander verwandt sind. Alle haben sie ihr eigenes Gepäck dabei: Geheimnisse, Wünsche, Wunden. Was sie jedoch vereint: das Gefühl, dass sie in Hüseyins Wohnung jemand beobachtet. Voller Wucht und Schönheit fragt „Dschinns“ nach dem Gebilde Familie, den Blick tief hineingerichtet in die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte und weit voraus.

MEINUNG:

Dschinns ist ein Buch, um das man in diesem Jahr nur schwer drum herum kommt. Schon gar nicht als für die Longlist für den Deutschen Buchpreis 2022 nominiert worden ist und es nun sogar auf die Shortlist geschafft hat.  Ein hochgelobtes Must-Readm, dem ich mich natürlich auch nicht entziehen konnte.

Es beginnt damit, dass Hüseyin nach jahrelanger Schufterei nun eine Eigentumswohnung in Istanbul für die Familie und den Lebensabend gekauft hat. Am Tag des Einzugs erleidet er einen Herzinfarkt und stirbt. Seine Familie, bestehend aus seiner Frau und seinen vier Kinder, reist aus Deutschland an. Jeder geht unterschiedlich mit dem Tod des Vaters um und von jedem erfahren wir, Stück für Stück wie es um die Familie wirklich bestellt ist und welches große Loch Hüseyins Tod hinterlässt.

Es gibt sechs große Kapitel, die aus der Sicht von Hüseyin, der vier Kinder und der Mutter, Emine erzählt. Für mich sind die Kapitel von Sevda, der ältesten Tochter und Emine die stärksten Kapitel in diesem Buch. Dadurch, dass diese erst im letzten Drittel kommen, hatte ich im Mittelteil mal einen kleinen Hänger. Natürlich sind die Kapitel, der drei jüngsten Kinder auch wirklich interessant und aufschlussreich. Es ist schnell klar, dass in dieser Familie so viel ungesagt ist und ebenso viele Konflikte schwelen. Die Familie kam nach Deutschland und lebt dort ein für Westdeutschland typisches Leben einer Familie mit Migrationshintergrund und der ganzen Palette an Themen, wie Anerkennung, Rassismus, Diskriminierung, Heimweh und der Diskrepanz zwischen dem kulturellen Heimatland zu dem Land, in dem man lebt prallt auf sie ein. Die drei jüngeren Geschwister sind im Gegensatz zur älteren Schwester in Deutschland geboren. Sevda fand ich am spannendsten, aber sie ist auch die Person, die den meisten Groll in sich fühlt, welcher sich wie ein Feuerwerk entlädt. Fatma Aydemir packt in diesen Roman wirklich eine große Palette an Themen, wie auch den Konflikt zwischen Kurden und Türken, worüber ich bisher auch noch nicht so viel wusste.

FAZIT:

Dschinns ist ein Roman voll gepackt mit den Themen einer türkischen Zuwandererfamilie, die sich im Angesicht des Todes ihres Mannes bzw. Vaters mit den verschwiegenen Konflikten und Geheimnissen auseinandersetzen muss. Das letzte Drittel ist für mich das stärkste gewesen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Hanser Verlag* über NetGalley* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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