Rezension „Miss Kim weiß Bescheid – Cho Nam-Joo

Kiepenheuer & Witsch Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzer: Inwon Park | 448  Seiten | 22,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

»Miss Kim weiß Bescheid« versammelt die Leben von acht koreanischen Frauen im Alter von 10 und 80 Jahren. Jede einzelne dieser stellvertretenden Frauenbiografien wird vor einem aktuellen gesellschaftlichen Thema in Korea verhandelt: das heimliche Filmen von Frauen in der Öffentlichkeit, Hatespeech und Cybermobbing auf Social-Media-Plattformen, häusliche Gewalt, Gaslighting, weibliche Identität im Alter und die Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz. Auch sich selbst, die plötzlich weltbekannte Autorin, nimmt sie ins Visier. Ihr Erfolg ermöglicht ihr einerseits, ihr Leben als Schriftstellerin komfortabel zu führen, andererseits lässt sie der Hass, der ihr vor allem im Netz begegnet, nicht kalt. Cho Nam-Joos meisterhaftes Können besteht in der glasklaren Sprache, in der sie ihre Prosa verfasst und gleichzeitig in dem genauen Blick auf die Ungerechtigkeiten Koreas, den sie mit nichts verschleiert, sondern im Gegenteil messerscharf zu Papier bringt. Wie schon bei »Kim Jiyoung, geboren 1982« sind auch die Schicksale dieser acht Frauen nicht annähernd so weit von uns weg, wie wir meinen und hoffen.

MEINUNG:

Letztes Jahr war ich sehr begeistert von Cho Nam-Joos Roman Kim Jiyoung, geboren 1982. Ich lese gerne Roman aus die asiatischen Kulturraum. Es führt einem immer vor Augen, dass zwischen meiner westeuropäischen Weltansicht und dieser Kultur einfach Welten liegen. Gleichzeitig schärft es das Verständnis dafür, dass nicht alle Kulturen gleich funktionieren und jedes Verhalten auch nicht aus meiner Sicht bewertet werden kann. Ihr erster Roman hat eine große Palette an Gefühlen in mir wach gerufen und so ging es mir nun auch wieder mit den acht Geschichten aus Miss Kim, weiß Bescheid.

Hierbei handelt es sich um ein Buch, welches die Geschichten von acht koreanischen Frauen im Alter zwischen 10 und 80 Jahren versammelt. Die Autorin greift wieder eine Vielzahl gesellschaftskritischer Themen, die auch sehr modern und aktuell sind wie z.B. Cybermobbing, Gaslighting, aber auch klassische Themen wie häusliche Gewalt,  Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz und weibliche Identität im Alter.

Die Autorin nimmt sich selbst auch mit in diesen Geschichten rein, denn ihr erfolgreiches Debüt hat in Süd-Korea zu einem regelrechten gesellschaftlichen Aufschrei geführt. Es verschaffte ihr eine Menge  Aufmerksamkeit und Berühmtheit, aber sie musste auch eine Menge Hass, vor allem im Netz und in Social Media ertragen. So etwas ging nicht spurlos an ihr vorbei, zu mal solche Nachrichten auch sehr realen Bedrohung werden können.

Sehr mitgenommen hat mich auch die Geschichte einer jungen Frau, die einen Brief an ihren Ex-Freund schreibt, in dem sie erklärt, warum sie ihn nicht heiraten wird. In dem Brief wird klar, wie sehr sie von manipuliert und unterdrückt worden ist. Ich war froh, dass sie erkannt hat. In Erinnerung bleibt mir aber auch die Geschichte einer ca. 60-jährigen Frau, die endlich einmal die Polarlichter sehen möchte. Sie hat eine erwachsene Tochter, die ein Kind hat und erwartet, dass sich ihre Mutter, wie in Korea üblich, darum kümmert. Doch die Mutter weigert sich und bleibt dort hartnäckig, obwohl sie auch von der Betreuung durch die Großeltern profitiert hat. Es ist die längste und in meinen Augen auch die beste Geschichte.

FAZIT:

Miss Kim weiß Bescheid enthält acht Geschichten, von denen mir sicher ein paar in Erinnerungen bleiben werden, aber einige auch nicht. Ich würde empfehlen erst Kim Jiyoung, geboren 1982  zu lesen und dann die Geschichten als Ergänzung. Dafür sind sie ideale Lektüre und natürlich für alle, die Kurzgeschichten mögen und sich für die koreanische weibliche Kultur interessieren.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von KiWi Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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