Rezension „Unsre verschwundenen Herzen“ – Celeste Ng

dtv Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzerin: Brigitte Jakobeit | 400  Seiten | 25,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Der zwölfjährige Bird lebt mit seinem Vater in Harvard. Seit einem Jahrzehnt wird ihr Leben von Gesetzen bestimmt, die nach Jahren der wirtschaftlichen Instabilität und Gewalt die »amerikanische Kultur« bewahren sollen. Vor allem asiatisch aussehende Menschen werden diskriminiert, ihre Kinder zur Adoption freigegeben. Als Bird einen Brief von seiner Mutter erhält, macht er sich auf die Suche. Er muss verstehen, warum sie ihn verlassen hat. Seine Reise führt ihn zu den Geschichten seiner Kindheit, in Büchereien, die der Hort des Widerstands sind, und zu seiner Mutter. Die Hoffnung auf ein besseres Leben scheint möglich. Eine genauso spannende wie berührende Geschichte über die Liebe in einer von Angst zerfressenen Welt.

 

MEINUNG:

Ich habe bisher alle Bücher von Celeste Ng auf gelesen, wobei Kleine Feuer überall mein Favorit war. Man muss immer ein bisschen warten, aber umso mehr war ich gespannt auf das neue Buch der Autorin.

Das Leben ist in Amerika nicht mehr so, wie die BewohnerInnen es gewohnt sind. Das muss auch der 12-jährige Bird spüren, der bei seinem Vater in Harvard lebt. Es den PACT, der sicherstellen soll, dass die „amerikanische Kultur“ bewahrt wird. Dies hat zur Folge, dass u.a. asiatisch aussehende Menschen diskriminiert werden. Es geht soweit, dass ihnen die Kinder weg genommen und zur Adoption frei gegeben werden. Birds Mutter ist ebenfalls asiatischer Abstammung und ist vor ein paar Jahren verschwunden.  Als er einen Brief von ihr erhält, macht er sich auf die Suche nach ihr. Er will verstehen, warum sie ihn verlassen hat.  Die Suche führt ihn u.a. in Büchereien und er stellt fest, dass es eine Art Widerstand gegen das Regime gibt.

Ich muss sagen, dass ich hier ziemlich irritiert war, denn ich habe nicht wirklich eine Dystopie erwartet. Ich hab gar kein Problem mit Dystopien. Diese habe ich in der Vergangenheit sehr gern und viel gelesen, doch irgendwie war meine Erwartungshaltung auf Grund der vorherigen Romane von Celeste Ng einfach eine komplett andere. Wenn man sich das Cover anschaut, dann hätte ich das auch niemals erwartet. Cover von Dystopien sehen normalerweise anders aus. Ich tue mich auch schwer hier gänzlich von einem Roman für Erwachsene zu sprechen, denn Bird ist 12 Jahre, daher würde ich das Buch auch im Jugendbuchbereich sehen.

Der erste Teil ist komplett aus Birds Sicht geschrieben. Da seine Mutter asiatischer Abstammung ist, ist auch er Diskrimierungen gewohnt. Man spürt generell, dass die von Celeste Ng beschriebene Welt ziemlich aufgeladen ist – aufgeladen davon einen Fehler zu begehen, der zu großen Konsequenzen führen kann. Es gibt einige Situationen, die sie sehr gut beschreibt, wo jemand sogar der Verkauf von Essen verweigert wird. Sobald man sich hier gegen den PACT stellt, lebt man sehr gefährlich. Die Atmosphäre war sehr bedrückend, da auch Bird dies spüren muss. Sein Vater ist sehr darauf bedacht keinen Fehler zu machen und möglichst unter dem Radar zu agieren. Das hat mich auf jeden Fall schon sehr bewegt. Es erscheint wie eine sehr überspitzte Darstellung mit der Machtergreifung durch Donald Trump, der sein „America First“ versucht zu etablieren.

Der zweite ist aus einer anderen Perspektive geschrieben, die ich aber noch nicht verraten möchte. Grundsätzlich zieht sich das Buch im Mittelteil aber ganz schön, obwohl ich natürlich wissen wollte, wo Birds Mutter ist und warum sie verschwunden ist, wobei mir irgendwie immer klar war, dass sie dies tat, um Bird zu schützen. Mich hat die Geschichte dann etwas verloren ab dem Mittelteil. Ich denke auch das liegt wieder an der Erwartungshaltung, dass ich hier mit noch mit einem großen Geheimnis gerechnet habe, wie ich es eben aus den anderen Büchern kannte. Außerdem erschien mir das ganze World-Building in dieser dystopischen Welt zum Teil nicht ganz bis zu Ende gedacht. Vor allem gegen Ende traten schon ein paar Unstimmigkeiten auf. Das Ende an sich fand ich gut, dass ein wenig offen ist, aber auf jeden Hoffnung macht.

FAZIT:

Unsre verschwundenen Herzen ist ein komplett anderes Buch von Celeste Ng, welches ein bisschen mit meinen Erwartungen kollidiert ist. Ich finde es toll, dass die Autorin hier mal etwas anderes gewagt hat, fand es aber leider etwas zäh von der Storyline. Leider gab es auch am Ende ein paar logische Probleme, die ich nicht nachvollziehbar fand. Das Ende macht allerdings Hoffnung auf eine bessere Welt.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von dtv Verlag* über Vorablesen* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

 

Ein Kommentar zu „Rezension „Unsre verschwundenen Herzen“ – Celeste Ng

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