Hanser Berlin Verlag* | Gebundene Ausgabe | 208 Seiten | 24,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel
INHALT:
Was, wenn Sina nicht schwanger werden kann? Wenn Mona nie Kinder bekommen hätte? Wäre die Welt dadurch ein besserer Ort? Ja, findet Klimaaktivistin Eva Lohaus: Nur ein Geburtenstopp kann unseren Planeten noch retten. Während sie mit den Konsequenzen ihrer radikalen Vision kämpft, hadern die Schwestern Sina und Mona mit ihren eigenen Lebensentwürfen. Aus der Ferne beneiden, aus der Nähe bemitleiden sie sich, gemeinsam versuchen sie, Verantwortung und Erwartungsdruck zu widerstehen. Doch erst die Begegnung mit Monas neuer Nachbarin verändert unseren Blick aufs Muttersein wirklich.
Was spricht heute gegen, was für eigene Kinder? In ihrer präzisen und bestechend schmucklosen Sprache erzählt Verena Keßler von vier Frauen, die ihre ganz eigenen Antworten auf diese Frage finden.
MEINUNG:
Eva ist das erste Buch, welches ich von Verena Keßler gelesen habe, aber ich wollte die Autorin unbedingt für mich entdecken. Erst beim zweiten Hinsehen, ist mir aufgefallen, dass der Schriftzug auf dem Cover einem Ultraschall-Bild entspricht. Mich hat hier vor allem das Thema sehr interessiert und zwar ob man in der heutigen Zeit noch Kinder bekommen möchte.
Es geht um vier Frauen – die Schwestern Sina und Mona, um die titelgebende Eva und noch um eine vierte Frau. Alle verbindet verbindet das Mutter sein, Mutter werden und die Frage, ob man Mutter sein möchte. Alle vier befinden sich unterschiedlichen Lebenssituationen. Eva, die Lehrerin ist hat die wissenschaftlich unterlegte These aufgestellt, dass Kinder bekommen dem Klima schadet und dass es über kurz oder lang keine gute Entscheidung mehr ist. Für diese radikale Meinung muss sie enorme Kritik einstecken, die auch ihr Berufs- und Privatleben beeinflusst. Sina plagt sich selbst mit dem Kinderwunsch, der sich nicht erfüllen möchte. Mona hat drei Kinder und zweifelt daran, ob die Entscheidung Mutter zu sein, die richtige war.
Jeder der vier Protagonistinnen ist ein separater Abschnitt gewidmet, aber alles Kapitel und auch alle Frauen hängen direkt oder indirekt miteinander zusammen. In jedem Abschnitt lernen wir die einzelnen Frauen besser kennen. Beginnen tut es mit Sina, die mit ihrem Freund zusammen ist, der sich sehnlichst ein Kind, aber es klappt einfach nicht. Die Autorin beschreibt diesen Wunsch aus der Sicht von Sina in einer klaren, einfachen Sprache, aber deswegen nicht minder emotional. Manchmal war ich mir nicht so sicher, ob sie überhaupt Kinder möchte. Ihren Freund fand ich ziemlich schwierig, weil sehr einnehmend und sie bevormundend. Mona ihre Schwester hat das genau entgegen gesetzte Lebensmodell. Sie hat drei Kinder. Alle drei Kinder waren nicht so wirklich geplant. Mona genießt in ihrem Abschnitt einen Urlaub mit Sina, in dem sie Abstand und die Freiheit von der Familie so sehr genießt, dass sie sich vorstellt, wie es ohne Kinder wäre. Beide Schwester bilden einen krassen Gegensatz zu den möglichen Familienmodellen.
Eva steht mit ihrem Artikel hart in der Kritik und wird dafür von der Gesellschaft und den sozialen Medien auf das Übelste angefeindet. Es geht soweit, dass sie aufs Land flüchten muss, wo sie keiner kennt. Bei diesem Abschnitt hat ich ganz starke Juli Zeh Vibes. Es hat mich sehr an den Roman Über Menschen erinnert. Eva hat eine stark polarisierenden Meinung zum Thema Kinder bekommen im Zusammenhang des Klimawandels veröffentlicht, die allerdings wissenschaftlich belegt ist. Mal wieder hat es mich erschrocken, wie weit Hass aus dem Netz gehen kann und wie viel es zerstören, nur weil jemand sein Meinung geäußert hat und anderen diese nicht passt. Man bekommt den Eindruck, dass es gesellschaftlich nicht tragfähig ist, wenn eine Frau (Männer werden in dieser Debatte außen vor gelassen) sich aus welchen Gründen auch immer gegen Kinder entscheidet. Als wirkt fast so als dürfte sie darüber nicht selbst entscheiden. So kommt mir selbst auch manchmal vor. Den vierten Abschnitt fand ich am schwächsten im Kontext der anderen drei, aber emotional ebenfalls einnehmend und weitere Facette von Mutterschaft.
FAZIT:
Eva widmet sich dem wichtigen und tw. polarisierenden Thema der Mutterschaft im Kontext unserer heutigen Gesellschaft und dem Klimawandel in Form von vier Frauen. Jede der Frauen hat ihre eigene Sicht zum Mutterschaft. Einige sind Mütter, andere sind es nicht. Ein interessanter Roman, den ich gern gelesen habe.
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Hanser Berlin Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.
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Ein Kommentar zu „Rezension „Eva“ – Verena Keßler“