Kurz-Rezension „Weisser Sommer“ – Eva Pramschüfer

Rowohlt Verlag* | Gebundene Ausgabe | 254 Seiten | 24,00 € 

INHALT:

Eigentlich lieben Alma und Théo einander. Ihre erste Begegnung fühlt sich an: wie der Beginn von etwas Großem. Ihre gemeinsam verbrachte Zeit: könnte nicht schöner sein. Wie ist es möglich, dass sie nun gefangen sind zwischen zwei Wahrheiten: Sie lieben sich, und dennoch liegt ihre Beziehung in Trümmern. Wie erkennt man, ob man gemeinsam glücklich sein kann – oder glücklicher allein wäre? Auf der Suche nach Antworten treffen sich die beiden in dem Haus von Almas Eltern in Frankreich und schwören, es erst zu verlassen, wenn sie Gewissheit haben: festhalten oder loslassen.

MEINUNG:

Weisser Sommer ist wohl ein Buch, um das man diesen Sommer nicht drum herum kommt. Es ist das Debüt von Eva Pramschüfer.

Ich bin gut in die Geschichte rein gekommen. Der Schreibstil ist unfassbar schön und hat mich an Annika Landsteiner erinnert, aber damit kommen wir auch schon zum Problem bei dem Buch. Die Sprache verhindert so ein bisschen die Entwicklung der Geschichte, wenn von einer solchen überhaupt sprechen kann.

Es wird immer abwechselnd aus beiden Sichten – Alma und Théos – erzählt, allerdings in der dritten Person. Es steht leider nicht über den jeweiligen Kapiteln, aber man kann sich erschließen. Dann springt es zwischen den Kapiteln immer wieder in die Vergangenheit, in der parallel die Kennenlern- und Liebesgeschichte der beiden erzählt wird. Dazwischen wird in der Gegenwart aber nur wenig klar, warum sich die beiden voneinander entfernt haben, nur dass es so ist. Leider kommt das große klärende Gespräch dann erst am Ende, was ich relativ schwach gelöst fand, nachdem man sich nun schon seitenweise, zwar in schöner Sprache, aber mit wenig Inhalt, zu diesem Punkt gekämpft hat.

Alma fand ich relativ unterkühlt und unnahbar und das empfindet Théo ähnlich. Meiner Meinung nach ist die Liebe von seiner Seite auch deutlich stärker. Ich mochte ihn deutlich lieber, auch mit den Nebencharakteren wie z.B. seinen Vater und seinen späteren Studienfreund. Die beiden lernen sich mit Anfang 20 kennen und wollen natürlich sich entwickeln. Es klappt nicht so gut miteinander. Ich kann es einerseits nachvollziehen, anderseits nicht, da ich keine Beziehung hatte in meiner Studienzeit. Ich glaube hier muss sich jeder selbst ein Urteil bilden, der dieses Buch liest. Die zentrale Frage bleibt in diesen Buch – bleiben sie zusammen oder gehen sie getrennter Wege. Das Ende bleibt dazu relativ offen, aber lässt Interpretationsspielraum.

Die Autorin fängt die Atmosphäre von bestimmten Orten bzw. das Leben dort ausgezeichnet ein, denn ich habe Frankreich bzw. Paris sehr gefühlt, aber auch Berlin und München, obwohl ich hier nicht ausschließen möchte, dass sich hier bestimmter Klischees bedient wurde. Ich kann jetzt nur für meine Heimatstadt Berlin sprechen und die ist doch noch ein bisschen mehr als nur Drogen udn Party.

FAZIT:

Weisser Sommer hatte ich so gar nicht auf dem Schirm. Es ist mehr oder weniger eine Liebesgeschichte, aber es geht auch um die eigene Entwicklung und die Frage, wie die Beziehung da noch rein passt. Die Sprache ist sehr schön, aber inhaltlich hätte man da noch mehr draus machen können bzw. die Struktur noch ein bisschen besser gestalten können – weniger zeitliche Sprünge, mehr Fokus auf die Gegenwart und die Zukunft der beiden.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Rowohlt Verlag* über Netgalley* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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