Rezension „Wir kommen“ – Ronja von Rönne

Aufbau Taschenbuch Verlag* | Taschenbuch | 208 Seiten | 10,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

In Noras Heimatort gehört es sich, den Nachbarn zu grüßen, den Rasen zu mähen und am Ende des Lebens zu sterben. Dass sich plötzlich ausgerechnet Maja, Noras beste Freundin aus Kindheitstagen, an diese althergebrachten Regeln hält und einfach stirbt, kann Nora nicht glauben. Für eine Beerdigung hat Nora ohnehin keine Zeit: Nachts wecken sie Panikattacken, sie muss sich um eine Schildkröte kümmern und ihre einst so progressive Beziehung zu viert droht auseinanderzubrechen. Und dann fährt auch noch ihr Therapeut in Urlaub. Bis zu seiner Rückkehr soll Nora ihre Tage in einem Tagebuch dokumentieren. Also berichtet sie, wie sie sich mit Karl, Leonie, Jonas und einem schweigenden Kind ans Meer flüchtet, um das Verschworene zwischen ihnen zu retten. Doch statt hoffnungsvoller Zukunft drängt sich immer mehr Noras Vergangenheit in den Vordergrund. Es muss doch etwas geben, denken die vier, das sie wieder zusammenzuschweißen vermag, ein großes Fest etwa. Oder ein Mord.

MEINUNG:

Ich habe von Ronja von Rönne bereits Heute ist leider schlecht gelesen, wobei dies nicht ganz vergleichbar, denn Wir kommen ist ein Roman, dennoch erkennt man Ronja von Rönnes Erzählerstimme definitiv wieder. Schon bei erst genannter Veröffentlichung bin ich geschwankt zwischen „Super geschrieben. Mehr davon.“ und „Mhm, erreicht mich jetzt gar nicht. Habe ich Morgen schon wieder vergessen.“

Der Einstieg in das Buch gelang mir recht leicht. Auch die Sprache faszinierte mich sofort und ich dachte, dass das hier etwas ganz Großes werden wird. Leider trat dann doch die Ernüchterung ein. Zunächst war für mich gar nicht so klar, ob Maja wirklich tot war. Nora verkaufte es mir in ihrer Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens als könnte es tatsächlich nicht passiert sein. Auf jeden Fall merkt man, dass Maja eine wichtige Person für Nora war. Immer wieder schwelgt Nora in Erinnerungen und lässt den Leser daran teilhaben.

In der Gegenwart leidet Nora unter Panikattacken. Ihr Therapeut hat ihr aufgetragen diese zu Papier zu bringen. Das macht sie auch. Das Buch liest sicher daher wie ihr Tagebuch, da es auch in der Ich-Perspektive geschrieben ist. Und hätte Nora nicht schon genug Probleme, kommt noch diese Beziehung zu viert dazu, bei der sofort spürbar ist, dann hier etwas im Ungleichgewicht ist. Die Idee war zumindest mal etwas Neues. Nora war zuerst mit Karl zusammen, ihr Freund aus Kindheitstagen, der auch Maja kannte. Dann kam Leonie mit ihrer kleinen Tochter, die nicht spricht, dazu und Karl führte auch mit Leonie eine Beziehung. Dann gibt es noch Jonas, der scheinbar der Vater von Leonies Kind ist und in den Nora sich dann verliebt. Das Konstrukt ist mehr als schwierig und niemand scheint wirklich glücklich zu sein. In meinen Augen leider ein ziemlich verkorkster Haufen, der Nora nicht den nötigen Halt, Liebe und Geborgenheit bietet.

Das wäre ja noch alles ok, wenn es irgendwie eine Handlung gegeben hätte. Für mich war die nicht so richtig erkennbar. Ging es um die Rettung der Vierer-Beziehung oder um den Umgang mit dem Abschied von Maja? Vielleicht etwas von Beidem. Dennoch verliert sich das Buch oft in Belanglosigkeiten und ist dann auch relativ abrupt zu Ende. Für mich mehr ein Tagebuch als ein Roman bzw. eine in sich abgeschlossene Handlung.

FAZIT:

Hier hat sich leider gezeigt, dass ein großes Sprach- und Schreibtalent wie Ronja von Rönne es definitiv ist, nicht immer ausreicht, um eine Geschichte mit nachvollziehbarer Handlung aufs Papier zu bringen. Trotzdem würde ich gerne noch etwas von ihr lesen wollen.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Aufbau Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Ein Gedanke zu “Rezension „Wir kommen“ – Ronja von Rönne

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