[Lesetipp] „The Woman in the Window“ – A. J. Finn

Blanvalet Verlag* | Broschiert | Übersetzer: Christoph Göhler | 544 Seiten | 15,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Anna Fox lebt allein. Ihr schönes großes Haus in New York wirkt leer. Trotzdem verlässt sie nach einem traumatischen Erlebnis ihre vier Wände nicht mehr. Anna verbringt ihre Tage damit, mit Fremden online zu chatten, zu viel zu trinken – und ihre Nachbarn durchs Fenster zu beobachten. Bis eines Tages die Russels ins Haus gegenüber einziehen – Vater, Mutter und Sohn. Bei dem Anblick vermisst Anna mehr denn je ihr früheres Leben, vor allem, als die neue Nachbarin sie besucht. Kurze Zeit später wird sie Zeugin eines brutalen Überfalls. Sie will helfen. Doch sie traut sich nach wie vor nicht, das Haus zu verlassen. Die Panik holt sie ein. Ihr wird schwarz vor Augen. Als sie aus ihrer Ohnmacht erwacht, will ihr niemand glauben. Angeblich ist nichts passiert …

MEINUNG:

Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass das Buch auch in einem Atemzug mit Girl on the Train oder auch Gone Girl verglichen worden ist. Ich mochte beide Romane und bin auch Fan von den Romanen, in denen man als Leser der Protagonistin oder dem Protagonisten nicht trauen kann bzw. sie sich selbst irgendwann nicht mehr trauen können, weil sie im Einfluss von Tabletten und Alkohol stehen.

Und genauso ist auch Anna, Doktorin der Psychologie. Anna leidet nach einem schweren Trauma an Agoraphobie, d.h. sie hat Angst vor freien Flächen und kann daher das Haus nicht verlassen. Anna verbringt ihr Tage mit chatten, Schach spielen und Nachbarn beobachten. Dabei trinkt sie leider viel zu viel. Man sollte nicht scheuen sie als Alkoholikerin zu bezeichnen. Anna nimmt auch eine ganze Reihe von Psychopharmaka und sonstigen Tabletten, damit sie den Tag übersteht. Was Anna Trauma ausgelöst hat wird erst nach und nach aufgelöst. Irgendwann habe ich eine Ahnung bekommen, was wirklich passiert ist. Der Grund ist eigentlich nebensächlich, aber doch so wichtig, weil er eben auch Anna Erkrankung ausgelöst hat. Man könnte denken, dass Anna eine schwierige Protagonistin ist, aber das empfand ich überhaupt nicht so. Ich mochte sie von an Anfang an. Ich fand sie auch nicht bemitleidenswert, weil sie sich noch eine gewisse Souveränität beibehalten hat. So berät sie z.B. auch andere mit der gleichen Erkrankung in einem Forum. Die Ironie dabei ist wohl, dass diese Ratschläge ihr selbst nicht wirklich helfen.

Der Autor hat das Buch in Tage eingeteilt und innerhalb mancher Tage gibt es ein oder mehrere Kapitel. Die Kapitel sind zu Anfang sehr kurz und man kommt schnell voran. Eigentlich bin sonst kein Fan von solchen sehr kurzen Kapiteln, aber hier nutzt der Autor es als stilistisches Mittel. Wenn die Kapitel kurz sind, dann passiert auch nicht viel in Annas Alltag. Ab dem Zeitpunkt des Überfalls werden die Tage und Kapitel länger und umfangreicher, was auch wieder genau zum Geschehen passt. Auch atmosphärisch ist das Buch äußerst gelungen. Sowohl Annas Gemütszustände als auch die ganze Atmosphäre in ihrem Haus und was dort passiert ist sehr einnehmend. Die Seiten sind nur so dahingeflogen. Annas große Leidenschaft sind alte Filme. Mir hat das zwar alles nichts gesagt, aber es ist immer wieder Thema in dem Buch. Einige ausgewählte Zitate waren sehr gut gewählt und haben wiederum zu Annas Gedanken oder der Situation gepasst. Schriftstellerisch wirklich eine herausragende Leistung!

Ein ganz minimaler Schwachpunkt war für mich nur der Schluss. Es kommt der Punkt, wo man nicht weiß, ob alles wirklich passiert oder ob es eine Halluzination von Anna als Nebenwirkung ihrer Tabletten ist. Der Schluss kommt dann ziemlich plötzlich. Ich habe es nicht kommen sehen, war dann aber hinsichtlich der Originalität etwas ernüchtert und nicht mehr ganz so mitgerissen, aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

 FAZIT:

Ich habe das Buch innerhalb von drei Tagen verschlungen und bin immer noch begeistert von der Geschichte, die vielleicht nicht neu ist, aber die richtig gut verpackt ist und mich der schriftstellerischen Leistung einfach begeistert hat. Ich freue mich auf das nächste Buch von diesem Autor!

Ich vergebe 4,5 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Blanvalet Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

 

Ein Gedanke zu “[Lesetipp] „The Woman in the Window“ – A. J. Finn

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