Rezension „Zeit der Schwalben“ – Nikola Scott

Rowohlt Verlag* | Taschenbuch | 512 Seiten | 9,99 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Die sechzehnjährige Elizabeth Holloway wird Ende der fünfziger Jahre von ihrem Vater zu einer befreundeten Familie in Sussex ans Meer geschickt, weil ihre Mutter todkrank ist. Im Gegensatz zu ihrem bedrückenden Zuhause ist das Leben bei den Shaws in Hartland House paradiesisch: Eine Gruppe von Jugendlichen, bestehend aus den Kindern der Shaws und deren Freunden, verbringen sonnige Sommertage mit Schwimmen, Reiten und Partys. Elizabeth, schüchtern und jünger als die anderen, verliebt sich bald Hals über Kopf …
London, vierzig Jahre später: Als Addie Harington zum Jahrestag des Todes ihrer Mutter Elizabeth ihren Vater besucht, scheint alles wie immer zu sein: Der Vater ist erstarrt in seiner Trauer, ihre Schwester Venetia beansprucht alle Aufmerksamkeit für sich, und ihr Bruder Jasper hält sich aus allem heraus. Um ein wenig Ruhe zu ¬finden, zieht sie sich in das ehemalige Arbeitszimmer ihrer Mutter zurück. Da klingelt das alte Telefon auf dem Schreibtisch. Ein Mann, der sie offensichtlich für ihre Mutter hält, spricht von «neuen Spuren» und nennt immer wieder ein Datum: den 14. Februar, Addies Geburtstag. Als wäre das nicht schon verwirrend genug, steht kurz darauf eine fremde Frau vor der Haustür und behauptet, Elizabeth sei ihre Mutter …

MEINUNG:

Zeit der Schwalben ist die Geschichte mehrerer Frauen. Eine Frau, die in den 1950er Jahr sehr früh Mutter wird und zwei andere, die auf den Spuren ihrer Vergangenheit wandeln und dessen Leben plötzlich ein anderes sein wird, wenn sie die Wahrheit herausgefunden haben.

In der Vergangenheit lernen wir die junger Elizabeth Holloway durch ihre Tagebucheinträge kennen. Die frühe Erkrankung der Mutter hat Elizabeth früh erwachsen werden lassen, so mein Eindruck, und sie verspürt auch das Bedürfnis/ die Verantwortung bei ihrer Mutter zu sein. Dennoch wird nach Sussex zur Familie Shaw den Sommer über geschickt. Hier kann Elizabeth endlich frei sein und hier eine kurze Zeit ohne Verantwortung genießen, so wie es ihrem Alter eigentlich auch zusteht. Elizabeth wirkt dennoch durchgängig recht distanziert und es ist schwer ihr als Leser wirklich nahe zu kommen, daher las ich auch lieber die Passagen aus der Gegenwart.

Mit dem Auftauchen von Phoebe bei den Harringtons, ein Jahr nachdem Elizabeth verstorben ist, und der Behauptung, dass Elizabeth ihre Mutter ist und sie am selben Tag wie Addie Geburtstag hat, gerät hier die ganze Familiengeschichte ins Rollen. Addie war eine Person, die ich sehr mochte, vor allem in Kombination mit Phoebe, die der doch häufig sehr zögerlichen Addie häufig des nötigen Anschubs gab. Addie wirkte häufig etwas verloren. Das Verhältnis zu Elizabeth war wohl recht schwierig und sie hatte den Eindruck deren Erwartungen nicht erfüllt zu haben, u.a. weil sie es vorgezogen hat Konditorin zu werden, anstatt eine akademische Laufbahn einzuschlagen, wie es ihre beiden jüngeren Geschwister Venetia und Jasper getan haben.

Phoebe lässt bei der zögerlichen Addie nicht locker und sie machen sich beide auf die Suche nachdem, was wirklich passiert ist. Als Leser hat man natürlich auch eine Menge Fragezeichen im Kopf. Ist Phoebe wirklich Addies Zwillingsschwester? Wer ist der Vater? Warum wurde die Schwestern getrennt und eine musste bei einer Adoptionsfamilie aufwachsen? Ursache liegt hier ganz eindeutig in der Zeit der 1950er Jahre, wo eine junge Frau, die unverheiratet schwanger wird, einfach keinerlei Rechte und Möglichkeiten für ihr Kind zu sorgen und dafür auch noch geächtet wird, auch von der eigenen Familie und speziell auch den Vätern. Nicht selten wurden die geborenen Babys ohne Einverständnis der Mutter zur Adoption frei gegeben, weil es keine andere Wahl gab. Aus heutiger Sicht kann sich das kaum vorstellen. Ich verstehe auch immer nicht, dass die Frauen hier so in ihren Rechten beschnitten wurden, obwohl sie doch im noch nicht langen zurück liegenden zweiten Weltkrieg alle ihren „Mann“ gestanden haben als die Männer fort bzw. gestorben waren.

Im Laufe ihrer Recherchen nähern sich Phoebe und Addie an, aber auch Addie selbst scheint langsam Frieden mit ihrer Mutter finden zu können, was sich auch positiv auf ihr eigenes Leben auswirkt. Diese Entwicklung fand ich sehr schön ausgearbeitet. Ich mochte auch die recht unaufgeregte Art der Erzählweise der Autorin, die diese Geschichte ruhig und wertfrei erzählt.

Mein einziger Kritikpunkt an der Geschichte ist der Spannungsbogen. Für mich als großen Fan von Spannungsliteratur braucht die Geschichte wirklich sehr lange bis dann mal eine gewisse Spannung zu spüren ist. Das passiert leider erst gegen Ende hin. Natürlich möchte man wissen, was los ist, aber häufig hatte ich den Eindruck man kommt dem, was passiert ist, nicht wirklich näher.

FAZIT:

Zeit der Schwalben verarbeitet ein dunkles Thema der 1950er Jahre in Großbritannien, welches Nikola Scott in einen einfühlsamen und berührenden Roman verpackt hat. Eine Geschichte, die zwar fiktiv ist, aber unter Umständen sicher auch so im realen Leben hätte passiert sein können.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Rowohlt Verlag*zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

 

4 Kommentare zu „Rezension „Zeit der Schwalben“ – Nikola Scott

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