Rezension „In Aufruhr“ – Inga Vesper

Rowohlt Verlag* | Gebundene Ausgabe | 384 Seiten | 22,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

416fNYlD5HL

INHALT:

Sommer 1959. Die perfekt getrimmten Rasen von Sunnylakes, Kalifornien, erschlaffen unter der Sonne. Die Swimming Pools glitzern. Und während eines langen Nachmittags verschwindet Joyce Haney.
An diesem Tag kommt Ruby Wright zum Putzen ins Haus der Haneys und trifft nur die zwei Kinder an. Zu Tode erschrocken stehen sie neben einer Blutlache auf dem Küchenboden.
Detective Mick Blanke, mit dem Fall betraut, wendet sich in seiner Verzweiflung an Ruby Sie ist ein Außenseiter so wie er, aber sie weiß mehr als jeder Detective über die Geheimnisse, die hinter den geschlossenen Vorhängen der Sunnylakes-Häuser lauern.
Für Ruby – schwarz, arm und aus South-Central stammend – ist die Polizei jedoch eher Problem als Lösung. Trotzdem entscheidet sie sich, Mick zu helfen, und bringt damit alles in Gefahr – vor allem sich selbst.

MEINUNG:

In Aufruhr hat mich aus vielerlei Gründen angesprochen. Zum einen wegen der vielen aktuellen Themen, wie der Black-lives-matter-Bewegung, zum anderen lese ich gerne Kriminalfälle, die sich in der direkten Nachbarschaft abspielen. Außerdem mag ich alles, was im Süden der USA spielt, auch wenn Kalifornien für mich nicht der klassische Südstaat ist.

Alles beginnt damit, dass die junge Ruby Wright wie jeden Tag zum Putzen in das Haus der Haneys kommt und dort zwei verängstigte Kinder und eine riesige Blutlache vorfindet und von Mrs. Haney fehlt jede Spur. Der Fall ruft Detective Mick Blanke auf den Plan. Er ist ist neu in dem kleinen Ort Sunnylakes und kennt niemanden wirklich. Das stellt sich schnell als Problem raus, denn die Leute lassen ihn nicht hinter die Fassade gucken. Dann ist da noch Ruby, aber sie ist schwarz, arm und stammt aus South-Central, wo man die Polizei eher als Feind als als Freund betrachtet. Für Mick ist jeden schnell klar, dass nur Ruby ihm die entsprechenden Informationen geben kann, die er braucht, um den Fall zu lösen.

Das Buch knüpft mit der 2020 gestartete #blacklivesmatter Bewegung an ein hochaktuelles Thema an. Rassismus in den USA ist natürlich 1959, wo die Geschichte spielt noch deutlich ausgeprägter und man spürt dies von der ersten Seite an. Ruby ist quasi gar nicht vorhanden für ihre weißen Arbeitgeber. Im schlimmsten Fall versucht man auch noch sie zu verdächtigen. Ruby ist eine starke, junge Frau, die früh ihre Mutter verloren hat, womit die Familie auch noch immer zu kämpfen hat. Zuhause in ihrer Familie vertritt Ruby ihre eigene Meinung und setzt sich auch durch, aber sie ist abhängig von dem Putzjob, der ihr das nötige Kapital bringen soll, um ans College gehen zu können. Es ist gleichzeitig faszinierend und erschreckend, wie devot Ruby sich gegenüber ihren Arbeitgebern verhält, um ja nicht aufzufallen.

Ruby setzt sich auch gegenüber Männern durch, was den weißen Vorstadtdamen eher nicht vergönnt ist. Sie sitzen in ihrem perfekten Häusern, mit ihren perfekten Gärten und Pools. Ihnen fehlt es an nichts. Sie haben meistens ebenso perfekte Kinder und sind dennoch unglücklich und häufig abhängig von Tabletten. Es ist so traurig dies zu lesen, was sich dort für Abgründe auftun. Ihre einzigen Beschäftigung ist ein Frauenclub, bei dem sie Gleichgesinnte treffen können. Die enorme Abhängigkeit von ihren Ehemännern und die fehlende Gleichberechtigung treibt die Frauen in tiefe seelische Abgründe. Es sollte aber auch erwähnt sein, dass schwarze Männer sich gegenüber ihren Frauen aber genauso verhalten, nur können sich diese über ihre Arbeit und das eigene verdiente Geld ein bisschen Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfen.

Ruby und Mick werden irgendwann zu Verbündeten, was vor allem für Ruby ein großes Wagnis ist, denn in Rubys Viertel misstraut man weißen Polizisten zutiefst. Doch Ruby ist Mrs. Hayes wichtig und sie ahnt, dass noch viel mehr dahinter steckt. Die Zusammenarbeit empfand ich erst als etwas seltsam, vor allem, dass Ruby das wirklich eingeht. Ich habe die ganze Zeit auf irgendwelche Falltüren gewartet, aber Ruby ist clever und behält ihr Ziel vor Augen.

FAZIT:

In Aufruhr ist ein klassischer Krimi in kalifornisch-sommerlichen Flair, welches sich flüssig und durchgängig spannend lesen lässt. Ich mochte Ruby sehr. Sie ist sympathische Protagonistin, die weiß, was sie möchte und wie sie das im Rahmen ihrer Möglichkeiten erreichen kann. Das Buch greift wichtige und aktuelle Themen wie #blacklivesmatter aber auch Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern auf. Eine klare Leseempfehlung!

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Rowohlt Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

3 Kommentare zu „Rezension „In Aufruhr“ – Inga Vesper

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s