Rezension „Im letzten Licht des Herbstes“ – Mary Lawson

Heyne Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzerin: Sabine Lohmann |352  Seiten | 22,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

INHALT:

In der idyllischen Kleinstadt Solace ist ein Teenager spurlos verschwunden. Die siebenjährige Clara ist untröstlich. Seit Tagen wartet sie am Fenster auf die Rückkehr ihrer Schwester. Zu allem Unglück liegt auch noch ihre geliebte Nachbarin, die alte Mrs. Orchard, im Krankenhaus. Eines Abends zieht nebenan ein Fremder ein. Liam Kane wurde das Haus von Mrs. Orchard geschenkt, obwohl er kaum Erinnerungen an sie hat. Ist hier, im Norden Ontarios, ein Neuanfang für ihn möglich? Nach und nach erinnert sich Liam an seine eigene, von Verlust geprägte Kindheit. Und auch Mrs. Orchard stellt sich ihrer Vergangenheit. Denn vor dreißig Jahren gab es einen Vorfall, der für zwei Familien tragische Folgen hatte.

MEINUNG:

Ich bin großer Fan von Nordamerika und lese auch gerne Literatur, die dort spielt oder deren AutorInnen von dort kommen. Auf meiner Suche nach neuem Lesestoff bin ich auf Mary Lawson gestoßen, die ich bisher noch nicht kannte, die aber schon einiges veröffentlicht hat. Im letzten Licht des Herbstes ist ihr neustes Buch.

Solace ist eine fiktive Kleinstadt in Kanada. Es gibt drei Hauptprotagonisten. Das ist zum einen die siebenjährige Clara, deren ältere Schwester Rose spurlos verschwunden ist. Clara kümmert sich um die Katze ihrer Nachbarin, Mrs. Orchard, da diese im Krankenhaus ist. Eines Tages zieht Liam in das Haus von Mrs. Orchard ein, was bei Clara zu all ihren Sorgen noch zusätzlichen Verwirrungen auslöst.

Es gibt drei Erzählstränge, die sich relativ gleichmäßig auf Liam, Mrs. Orchard (Elizabeth) und Clara aufteilen. Ich für meinen Teil mochte den Strang, um Liam am liebsten. Grundsätzlich lese ich nicht so gerne aus Kindersicht in Erwachsenenromanen. Natürlich ist mir Clara aber ans Herz gewachsen, vor allem weil sie so ein großes Herz für den Kater von Mrs. Orchard hat. Clara hängt sehr an ihrer älteren Schwester Rose und deren Verschwinden ist eine große Belastungsprobe, auch für ihre Familie. Die Mutter zerbricht förmlich daran und der Vater versucht irgendwie die Familie aufrecht zu halten. Clara begleiten wir auf diesem Weg, wie auch versucht herauszufinden, wo Rose sein könnte.

Dann gibt es da noch Mrs. Orchard, die im Krankenhaus liegt und wo schnell klar wird, dass sie nicht mehr so viele Tage hat. In dieser Zeit sinniert sie über ihr Leben nach und wir erfahren, wie die Beziehung zu Liam zu Stande kam und wie viel er ihr bedeutet hat. Aus Liebe zu Liam hat sie eine Dummheit gemacht, die ich irgendwann schon geahnt habe. Irgendwie konnte ich ihr das nicht übel nehmen, denn Liam hatte so seine Schwierigkeiten mit seiner Mutter, die ihn scheinbar nur als Störfaktor sah. Mrs. Orchard bleibt für mich dennoch etwas blass und ist eigentlich fast nur als Bindeglied zwischen Clara und Liam zu sehen.

Bei Liam ist es die klassische Geschichte: Job weg, Frau weg und dann erstmal weg aus dem alten Leben. Die Erbschaft des Hauses kommt gerade recht. Natürlich weiß er nicht, was er machen soll. Das Haus soll eigentlich verkauft werden, aber dann lernt er doch einige der Kleinstadtbewohner kennen und findet es plötzlich doch gar nicht so schlecht. Eine klassische Geschichte, die ich schon zu Hauf gelesen habe. Ich mochte allerdings seine aufkeimende Bindung zu Clara. Denn er entwickelt sich als Bezugsperson für sie, in einer Zeit, wo es ihre Eltern für sie nicht so richtig sein können.

Mir hat absolut nicht gefallen, wir das Verschwinden von Rose sich aufgelöst hat bzw. der Umgang der Protagonisten damit. Der Dortpolizist wischt da praktisch drüber hinweg als wäre es nicht mehr der Rede wert, was mit Rose passiert ist und dann ist das Buch auch schon zu Ende gewesen. Ich habe mich ernsthaft gefragt, was mir diese Geschichte sagen/ vermitteln wollte. Ich kann den Hype und die vielen sehr guten Bewertungen leider nicht wirklich nachvollziehen. Mir fehlte hier schlichtweg etwas und zwar mir „Futter“ und ein bisschen mehr Tiefe.

FAZIT:

Ich habe mir von Im letzten Licht des Herbstes  etwas mehr versprochen. Leider wird einem hier nicht viel Neues geboten an Ideen, was nicht schlimm wäre, wenn etwas mehr Lesestoff geboten worden wäre. Nach Beendigung des Buches, weiß ich nicht, was ich davon mitnehmen soll und warum sich weitere Bücher von Mary Lawson lohnen sollten. Mir hat außerdem missfallen, dass die Ereignisse um Rose, die ich als Tragödie bezeichnen würde, nicht mehr Erwähnung und Aufarbeitung gefunden haben.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Heyne Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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