Rezension „Der Panzer des Hummers“ – Caroline Albertine Minor

Diogenes Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzer: Ursel Allenstein | 336  Seiten | 24,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

e2952cd774b3c426a77300c7a86e1edd304732c3-00-00

INHALT:

Nach dem Tod der Eltern haben sich die drei Geschwister der Familie Gabel auseinandergelebt. Während die alleinerziehende Sidsel als Restauratorin in einem Kopenhagener Museum arbeitet, schlägt sich Niels als Plakatierer ohne festen Wohnsitz durch. Ea, die älteste der drei, lebt seit Jahren in San Francisco und versucht, mit einer Seherin Kontakt zur verstorbenen Mutter aufzunehmen. Doch dann müssen die Geschwister auf einmal Stellung zueinander und ihrer Vergangenheit beziehen. Ein beglückendes und zärtliches Buch über das Wagnis, alte Hüllen abzustreifen und Veränderung zuzulassen.

MEINUNG:

Momentan lese ich sehr viel dänische Literatur. Ich wollte mich mal ein bisschen außerhalb meiner Komfortzone der dänischen Thriller und Krimis bewegen. Nach Meter pro Sekunde, welches mich nicht so richtig begeistern konnte, wage ich mich nun mit Der Panzer des Hummers an den nächsten dänischen Belletristik Roman. Übersetzt wurde das Buch von Ursel Allenstein, die u.a. auch Tove Ditlevsen übersetzt.

Im Vorfeld hat mir eine Freundin, die bei einer Lesung der Autorin war, erzählt, dass die Autorin die sogenannte Carrier-Bag-Theorie von Ursula K. Le Guin verwendet in ihrem Roman. Das kann man ebenfalls in dem Interview lesen, welches hinten im Buch ist. Bevor ich das Buch angefangen habe, habe ich mich also dazu belesen. Im Wesentlichen verfolgt die Carrier-Bag-Theorie einen abweichenden Erzählaufbau. Viele fiktiven Geschichten folgen der bekannten Heldenreise. Die Carrier-Bag-Theorie ist praktisch das Gegenteil davon. Es gibt nicht eine zentrale Person (den/ die Held/in), sondern es ist eine Aneinanderreihnung vielen Protagonistin und deren Geschichten. Fokus liegt auf dem Alltag. Vielleicht sollte man sich vorher damit beschäftigten, um am Ende hier nicht enttäuscht zu werden.

Aus diesem Grund gibt es in der Der Panzer des Hummers auch keinen wirklich gut erkennbaren roten Faden bzw. ein Ziel, auf das hingearbeitet wird. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der drei Geschwister Sidsel, die alleinerziehende Mutter ist und in Kopenhagen wohnt, ihr jüngerer Bruder Niels, der ebenfalls Kopenhagen wohnt und Plakatierer ist und ihre älteste Schwester Ea, die in San Francisco lebt. Ea nimmt Kontakt zu einer Seherin auf, die Kontakt zu der verstorbenen Mutter der drei aufnehmen soll.

Das Buch ist abwechselnd aus der Sicht der drei Geschwister, der Seherin und quasi aus dem Jenseits aus der Sicht der Mutter geschrieben. Sidsel hat einen Auftrag in London und da sowohl die Seherin als auch Ea in den USA leben, spielen große Teil eher außerhalb von Dänemark. LeserInnen, die hier viel dänisches Flair erwarten, kommen hier also nicht unbedingt auf ihre Kosten. Ich fand den Schreib- und Erzählstil der Autorin sehr angenehm zu lesen. Es liegt hier eindeutig der Fokus auf den drei Geschwistern und auch wenn erst nicht den Anschein erweckt auch auf der Seherin, die von allen vieren am liebsten mochte. Auch sie hat ihr Päckchen zu tragen und die Beziehung zu ihrer Tochter ist etwas kompliziert. Stück für Stück erfahren wir was alle vier zu bewegt und wo ihre Konflikte liegen. Man erfährt, warum Sidsel alleinerziehend ist, warum Ea keine Kinder möchte, warum Niels kein wirkliches Zuhause und wie die Beziehung zwischen den Eltern der drei war. Auch diese war von Verlust geprägt. Es fehlt ein bisschen die Interaktion zwischen den dreien. Gefühlt besteht nur eine Beziehung zwischen Sidsel und Niels, aber auch diese würde ich nicht als sehr innig beschreiben.

FAZIT:

Der Panzer des Hummers war sehr angenehmes, aber auch kurzweiliges Buch, dessen Charaktere ich aber sehr mochte. Die Autorin erzählt relativ unaufgeregt von vier Menschen und deren Lebensbiographien, mit denen sich sicherlich der ein oder andere Leser identifizieren kann. Ich bin gespannt, was uns von Caroline Albertine Minor noch erwarten wird.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Diogenes Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s