Rezension „Verbrenn all meine Briefe“ – Alex Schulman

dtv Verlag* | Gebundene Ausgabe | Übersetzerin: Hanna Granz | 304  Seiten | 23,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Sommer 1932: Die 24-jährige Karin verliebt sich in den jungen Schriftsteller Olof. Aber es gibt ein Problem: Karin ist mit Sven verheiratet, einem stürmischen, hochrangigen Schriftsteller mit einer grausamen Ader. Wird sie es wagen, ihren Mann verlassen und ein anderes Leben mit ihrer neu entdeckten Liebe beginnen? 68 Jahre später fragt sich Karins Enkel Alex, Autor und dreifacher Vater, warum er eine so tiefe Wut in sich trägt; eine Wut, die seinen Kindern Angst macht und eine Kluft zwischen ihm und seiner Frau schafft. Auf der Suche nach Antworten stößt er auf die Geschichte zweier unglücklich Liebender, die zeigt, wie Leidenschaft, Eifersucht und Wut über Jahrzehnte und Generationen hinweg Wogen schlagen können.

MEINUNG:

Nachdem ich von Die Überlebenden ziemlich beeindruckt war, stand für mich sofort fest, dass ich auch Verbrenn all meine Briefe von Alex Schulman lesen möchte. Auf Schwedisch ist dieses Buch noch vor Die Überlebenden erschienen und ist auf Grund des Erfolges nun auch auf Deutsch übersetzt worden.

Bei Beginnen der Geschichte war mir nicht sofort klar, dass es sich hier um einen autofiktionalen Roman handelt, denn den hier beschriebene Großvater Sven und natürlich auch die Großmutter gab es wirklich und es zu großen Teilen die reale Familiengeschichte von Alex Schulman. Alles beginnt damit, dass Alex Schulman sich mit seiner Wut auseinander setzen möchte, die er auch gegenüber seiner Frau und seinen Kindern zeigt, so dass teilweise verängstigt reagieren. Auf der Suche nach Antworten stößt er auf die Geschichte von seinem Großvater Sven Stolpe, der ein angesehener Schriftsteller war und seiner Frau, Alex‘ Großmutter Karin. Die Geschichte der beiden beginnt ungefähr in den 1930er Jahren. Beide haben jung geheiratet, doch um die Ehe ist es nicht gut bestellt, denn Sven ist ein sehr impulsiver Mann, der schnell sehr grausam werden kann. Stellenweise habe ich mich gefragt, wieso Karin ihn geheiratet hat, aber Sven hat auch ein einnehmende, charismatische Seite, zumindest gegenüber einigen Fremden. Wenn man einen Fehler begangen hat, dann lässt Sven andere dafür grausam leiden.

Einen großen „Fehler“ begeht Karin als sie sich im Sommer 1932 in Olof verliebt und zwar in Olof Lagercrantz. Ich muss wirklich zweimal lesen und habe mir gedacht Lagercrantz sei einfach ein weit verbreiteter schwedischer Name, aber Olof Lagercrantz ist tatsächlich der Großvater von David Lagercrantz, der ebenfalls Schriftsteller ist. Ihn kenne ich natürlich von der Fortführung der Millenium-Reihe von Stieg Larsson. Die ganze Geschichte erfährt Alex als er Briefe von Olof an Karin findet und auch als er sich mit David Lagercrantz in Verbindung setzt. Der berichtet ihm, dass diese Liebesgeschichte auch ihre Familiengeschichte „überschattet“ hat. Die Briefe sind sehr schön zu lesen und so voller Liebe und Hoffnung, besonders auf der Seite von Olof, der auf eine Zukunft mit Karin hofft. In einer Rückblende erfährt, wie Karin und Olof sich kennen und lieben gelernt haben und von allem ahnte Sven zunächst nichts. Dennoch las ich die Entwicklung mit großem Unbehagen, stets auf der Hut, wann und ob Sven es heraus bekommen könnte.

Das Unbehagen hatte ich auch als es immer wieder Rückblicke hatte ich auch als Szenen aus Alex‘ Kindheit geschildert werden, aus denen leider auch eindeutig hervor geht, dass Karin sich nicht von Olof getrennt hat und bei ihm geblieben ist. Alex‘ lernt seinen Großvater nochmal von einer anderen Seite kennen bzw. versteht langsam dessen Charakter und warum Karin in seiner Kindheit häufig sich häufig entschuldigt hat oder versucht hat gar nicht erst die Wut des Ehemannes zu entbrennen. Schulman findet eine möglich Erklärung für seine eigene Wut – nämlich, dass diese sich von seinem Großvater an ihn übertragen hat, obwohl es den Grund gar nicht mehr gibt. Die Geschichte liest sich sehr soghaft – fast wie ein Krimi. Ich wollte unbedingt erfahren, was aus Karin und Olof geworden ist und über allem schwebte unbändige Wut von Sven Stolpe, der zu allem fähig war. 

FAZIT:

Verbrenn all meine Briefe ist eine soghafte, tragische Liebesgeschichte, die zeigt wozu die Wut einer einzelnen Person führen kann und sich auch auf die Gegenwart und die nächsten Angehörigen auswirkt. Eine wirklich gut erzählte und geschriebene Geschichte mit biographischen Zügen. Freue mich auf weitere Romane von dem Autor.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von dtv Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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