Rezension „Truly Madly Guilty: Jede Familie hat ihre Geheimnisse“ – Liane Moriarty

Bastei Lübbe Verlag* | Broschiert | Übersetzer: Sylvia Strasser | 400 Seiten | 14,90 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

DSC02509neu.jpg

 

INHALT:

In der Familie ihrer Freundin Clementine fand Erika stets Halt und Geborgenheit, in ihrem eigenen Zuhause nicht. Auch heute ist Clementine ihr Zufluchtsort, und nun hofft Erika in einem delikaten Fall auf Hilfe: Sie und ihr Mann Oliver sind ungewollt kinderlos, und sie möchte die Freundin um einen mehr als großen Gefallen bitten. Als Erika das Thema bei einem gemütlichen Barbecue anspricht, nehmen Ereignisse ihren Lauf, die in eine Katastrophe münden. Ist ihre Freundschaft stark genug, um diese zu überstehen?

MEINUNG:

Liane Moriarty ist eine Autorin, die mich schon sehr lange reizt und ich weiß nicht, warum ich diese nicht schon eher für mich entdeckt habe. Ihr Roman Tausend kleine Lügen* wurde sogar sehr erfolgreich als Serie Big Little Lies u.a. mit Nicole Kidman, Reese Witherspoon und Shailene Woodley verfilmt und läuft seit 30.05. jetzt auch endlich bei uns auf VOX (die Folgen sind noch auf TVNow verfügbar). Ich kann nur sagen, dass sich die Serie genauso lohnt, wie ihr neuster Roman Truly Madly Guilty.

Ich muss sagen, dass ich etwas gebraucht habe, um in das Buch reinzukommen. Liane Moriarty verfolgt wohl immer den gleichen Aufbau ihrer Geschichten. Es ist von Anfang klar, dass an einem Abend, in dem Fall dem Barbecue, zu einer Katastrophe gekommen ist. Immer abwechselt mit Kapitel aus der Gegenwart, die nach diesem Ereignis spielen, wird sich an diesen Abend herangetastet. Der Autorin gelingt es hier die Spannung ins Unermessliche zu steigern und man möchte unbedingt wissen, was denn nun passiert ist. Ich habe befürchtet, dass die Auflösung erst ganz zum Schluss kommen wird, aber man erfährt es bereits ungefähr der Hälfte.  Diese Art von Erzählung birgt bei mir immer die Gefahr, dass ich irgendwann genervt bin, aber die Auflösung kam genau zur richtigen Zeit und es wird sich auch noch ausführlich mit dem Danach beschäftigt. Es sei dazu gesagt, dass man keine Ahnung hat, was passiert ist, aber die Fantasie wird hier ordentlich entfacht.

Es passt zu der Geschichte, dass hier nicht aus der Ich-Form geschrieben wird. Die Freundschaft zwischen Clementine und Erika ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt des Romans. Diese Freundschaft ist ziemlich unausgeglichen und es ist in meinen Augen fragwürdig hier überhaupt von einer Freundschaft zu sprechen. Man kann diese gut und gerne als historisch gewachsen bezeichnen. Denn die eigentliche Intention zu einer Freundschaft kam von Clementines Mutter Pam, die mitbekommen hat, dass Erika im Gegensatz zu Clementine ein weniger fürsorgliches Zuhause hat. Durch Clementine nimmt sich Pam Erika an und Erika ist bis heute in ihrem Leben geblieben. Clementine hat Erika gegenüber seit diesem Zeitpunkt an sehr ambivalente Gefühle. Sie wirkt häufiger eher genervt und empfindet die Freundschaft zur Erika eher als Last.

Zugegebenermaßen, Erika ist sehr speziell, aber auch Clementine hat ihre Macken und scheint mehr auf ihr Cello als auf ihre Familie fixiert zu sein. Ich habe selten so gut ausgearbeitete Charakter erlebt, wie in diesem Roman. Irgendwann kam der Punkt, dass ich immer mehr erfahren wollte. Auch Erikas Mann Oliver und Clementines Mann Sam sind absolute Charaktertypen. Man bekommt auch einen Einblick in deren Vergangenheit und weiß warum sie so sind, wie sie sind. Der Autorin gelingt äußerst gut feine Details in Gestik, Mimik und Gedanken aufzuspüren und zu beschreiben. Es gibt auch noch ein weiteres Ehepaar, die Nachbarn von Erika und Oliver, Tiffany und Vid. Bei ihnen findet das Barbecue statt. Obwohl die beiden eigentlich eher eine Nebenrolle spielen, sind sie exzellent ausgearbeitet. Ich mochte sie am liebsten und habe jede Seite genossen.

Ich finde, dass der Zusatz „Jede Familie hat ihre Geheimnisse“ nicht ganz passend gewählt, weil hier eine mögliche Erwartungshaltung geschürt wird, dass die Geschichte ähnlich sein könnte wie Tausend kleine Lügen. Natürlich gibt es das ein oder andere Geheimnis, aber eigentlich steht hier vor allem die Freundschaft von Clementine und Erika im Vordergrund sowie der Umgang mit Schuld.

FAZIT:

Ich kann mir gut vorstellen, dass einige das Buch eventuell zu ausschweifend ist oder nicht schnell genug zum Punkt kommt, aber hier ganz eindeutig der Fokus auf den Charakteren und deren Beziehung zueinander. Genau das ist so gut ausgearbeitet, dass man das Gefühl hat die Charaktere persönlich zu kennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe ich mir gewünscht, dass das Buch nicht so schnell enden möge.

Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Bastei Lübbe Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

 

4 Gedanken zu “Rezension „Truly Madly Guilty: Jede Familie hat ihre Geheimnisse“ – Liane Moriarty

  1. Hallo Jenny,
    Oh das klingt ja gut! 🙂
    Freundschaft ist generell ein sehr interessanter Aspekt, finde ich und ich liebe Big Little Lies. (Obwohl ich das Buch noch nicht gelesen habe).
    Das Buch ist bei der Netgalley Challenge dabei und ich bin schon sehr gespannt, es bald zu lesen 🙂
    Liebe Grüße,
    Yvonne

    Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Monatsrückblick Mai | Eulenmatz Liest

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s