Rezension „Der Verrat“ – Ellen Sandberg

Penguin Verlag* | Broschierte Ausgabe | 480 Seiten | 15,00 € |Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Ein Weingut an der Saar. Ein altes Verbrechen. Und eine Schuld, die nie verjährt …

Als Nane nach zwanzig Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen wird, hat sich vieles verändert. Nicht aber die Schuld, die weiter auf ihr lastet. Nicht die Erinnerung an die Nacht, die ihr Leben zerstörte und schon gar nicht das Verhältnis zu ihrer Schwester Pia.

Pia hat es gut getroffen. Die erfolgreiche Restaurateurin lebt mit ihrem Mann auf einem idyllischen Weingut an der Saar. Da lässt es sich gut verdrängen, auf welch zerbrechlichem Fundament ihr Glück gebaut ist. Doch dann tritt ihre Schwester Nane wieder in ihr Leben und Pia ahnt: Es ist Zeit für die Wahrheit. Und damit Zeit für Rache – oder Vergebung.

MEINUNG:

Ellen Sandberg ist das Pseudonym von Inge Löhnig, von der meine sehr geliebte Kommissar Dühnfort Reihe stammt. Um sich von dieser Reihe besser absetzen zu können, wählte die Autorin das Pseudonym. Ich habe unter diesem Pseudonym schon Die Vergessenen gelesen und ebenfalls gemocht. Auf Der Verrat habe ich mich dementsprechend sehr gefreut.

Die Geschichte beginnt schon sehr flüssig und spannend, denn natürlich hat mich brennend interessiert, weswegen Nane einen Mord begangen hat. Es stellt sich relativ schnell heraus, dass Nane den Sohn von dem Mann ihrer großen Schwester Pia getötet haben soll. Ellen Sandberg erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen: 2018 ist die Gegenwart und 1998 spielt die Vergangenheit. Der Gegenwartsteil hat ein deutlich höheres Erzähltempo, denn Nane wurde aus dem Gefängnis entlassen und sucht nach Antworten.

Das passt Pia natürlich überhaupt nicht, die ihr wohl geordnetes, behütetes Leben mit ihrem Mann Thomas in Gefahr sieht. Der Kern der ganzen Geschichte ist eigentlich die Beziehung zwischen Pia und Nane. Es gibt noch eine dritte, mittlere Schwester, Birgit, die immer versucht zwischen den beiden zu schlichten, obwohl das eigentlich völlig aussichtslos erscheint. Die Fronten zwischen Pia und Nane sind schon sehr verhärtet. Als man sich langsam durch die Vergangenheit liest, merkt man auch warum. Pia ist immer das Goldmädchen der Eltern gewesen. Sie ist eine erfolgreiche Restauratorin, aber in ihrem Herzen ist nicht wirklich Platz für Liebe und Gefühle. Sie ist sehr kühl und später auch einfach berechnend.

Nane ist das ganze Gegenteil davon. Sie ist impulsiv, leidenschaftlich und liebt mit ganzen Herzen. Allerdings hat sie große Verlustängste und verfällt dadurch in unkontrollierte Verhaltensmuster. Am Ende helfen ihr dagegen nur Tabletten, die sie als weiße „Helferlein“ bezeichnet, wobei es sich sicherlich um Antidepressiva oder etwas Vergleichbares handelt. Davon ist sie irgendwann abhängig und es dreht sich vieles im Leben bei ihr nur noch darum. Nane hätte meiner Meinung nach mal eine Therapie machen müssen. Als sie aus dem Gefängnis entlassen wird, wirkt sie allerdings absolut verloren und erreicht auch nicht so ganz die Kraft der alten Nane. Ein stückweit ist sie einfach gebrochen. Ihre Wut auf ihre Schwester kann ich absolut verstehen.

Das Buch ruft generell sehr viele Emotionen beim Lesen hervor, denn besonders auf Graven gibt es sehr viel Grabenkämpfe. Dreh- und Angelpunkt scheint immer Pia zu sein. Die Autorin hat hier wirklich einen Charakter geschaffen, an dem man sich bis zum Schluss reiben kann und die einfach auch Unverständnis hervorruft. Pia ist auch kein bisschen einsichtig, sondern denkt nur an sich und ihre Familie, wozu Thomas und ihre Tochter Lissy gehören.

Die Autorin hat hier auch noch eine Art Familienfluch eingebaut. Jede Frau aus der Familie von Pia, Nane und Birgit schenkt einmal im Leben dem falschen Mann das Herz und stürzt sich damit absolut und alle um einen herum in den Abgrund. Die Idee hat mir sehr gut gefallen und war mal etwas Neues und anderes. Als die Geschichte am Höhepunkt der Emotionen gewesen ist, kommt dann die völlig überraschende Auflösung und dann ist das Buch ganz überstürzt vorbei. Ich hätte ich mir einfach einen ausführlicheren Epilog gewünscht, wie es jetzt mit einigen Personen weiter geht. Für mein persönliches Gerechtigkeitsempfinden wäre das einfach wichtig gewesen.

FAZIT:

Der Verrat hätte ich am liebsten an einem Stück gelesen, weil es so spannend war und sich sehr flüssig lesen ließ. Es wäre für mich ein 5-Sterne-Buch gewesen, wenn der Schluss nicht so abrupt gewesen wäre. Freue mich auf die nächste spannende Geschichte aus der Feder von Ellen Sandberg.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise vom Penguin Verlag* zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

*Folgende Verlinkungen kennzeichne ich gemäß § 2 Nr. 5 TMG als Werbung.

Ein Gedanke zu “Rezension „Der Verrat“ – Ellen Sandberg

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