Rezension „Zur See“ – Dörte Hansen

Penguin Verlag* | Gebundene Ausgabe  | 256 Seiten | 24,00 € | Amazon* und im örtlichen Buchhandel

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INHALT:

Die Fähre braucht vom Festland eine Stunde auf die kleine Nordseeinsel, manchmal länger, je nach Wellengang. Hier lebt in einem der zwei Dörfer seit fast 300 Jahren die Familie Sander. Drei Kinder hat Hanne großgezogen, ihr Mann hat die Familie und die Seefahrt aufgegeben. Nun hat ihr Ältester sein Kapitänspatent verloren, ist gequält von Ahnungen und Flutstatistiken und wartet auf den schwersten aller Stürme. Tochter Eske, die im Seniorenheim Seeleute und Witwen pflegt, fürchtet die Touristenströme mehr als das Wasser, weil mit ihnen die Inselkultur längst zur Folklore verkommt. Nur Henrik, der Jüngste, ist mit sich im Reinen. Er ist der erste Mann in der Familie, den es nie auf ein Schiff gezogen hat, nur immer an den Strand, wo er Treibgut sammelt. Im Laufe eines Jahres verändert sich das Leben der Familie Sander von Grund auf, erst kaum spürbar, dann mit voller Wucht.

MEINUNG:

Letzten Monat war unfassbar begeistert von Mittagsstunde von Dörte Hansen. Es war mein erstes Buch von der Autorin und ich war so begeistert, dass es für mich klar war, dass ich auch Zur See lesen möchte.

Wie bei Mittagsstunde hatte ich auch hier ein paar Probleme, um erstmal wieder in den Schreibstil reinzukommen. Ich finde den Schreibstil sehr besonders, aber gleichzeitig auch sehr speziell. Die Sätze sind oft wohl formuliert, so dass ich mir hier gerne auch Zeit nehme, sie ein zweites Mal zu lesen. Das stört natürlich manchmal etwas das Lesefortkommen. Auf der anderen Seite ist das aber auch nicht so wichtig, denn es ist keine Geschichte die ein genaues Ende verfolgt. Hier erschien es mir eher wie eine Momentaufnahme, wie ein Kameraschwenk, der für eine gewisse Zeit auf der Insel und deren Bewohner zeigt. So lernen wir erst etwas über die Insel kennen. Wie auch in Mittagsstunde gibt es wieder das Thema mit den Inselbewohner und solchen vom Festland bzw. Zugezogenen. Es wird deutlich, dass dort wieder einmal eine unsichtbare Grenze verläuft. Auch Tourismus ist ein großes Thema. Mit einem kritischen Seitenhieb schaut die Autorin auf die Auswirkungen der Touristenströme, die dafür sorgen, dass Inselkultur zu einer Art Folklore verkommt. Auf der anderen Seite werden aber auch die Einnahmen aus dem Tourismus benötigt und sie sorgen für Arbeitsplätze.

Familie Sander fand ich recht speziell, aber auch liebenswert. Da ist Hanne Sander, die nie die Frau eines Seefahrer sein wollte. Da ist Jens Sander, der Seefahrer, der 20 Jahre mehr weg als da war und plötzlich wieder im Haus auftaucht und dort wohnt. Die Seefahrt hat zur Gunsten von Vögeln eingetauscht. Außerdem ist da der älteste Sohn, Rykckmer, der Seefahrer ist, aber auch ein schweres Alkoholproblem hat. Dann ist da Eske, das mittlere Kind, die im Seniorenheim arbeitet und Tattoos liebt. Henrik, der jüngste der Geschwister, hat sich von der See ferngehalten und macht aus Treibholz Kunst. Eine Familie, die manchmal nicht mehr als solche erscheint, aber der Zusammenhalt unter den Geschwistern besteht auf jeden Fall. Jeder der drei hat irgendwie seinen Weg gefunden, auch mit oder vielleicht trotz des abwesenden Vaters. Wie immer bei Dörte Hansen muss man vieles zwischen den Zeilen lesen. In diesem Roman schwenkt auch eine gehörigen Portion Melancholie mit, die am Ende richtig gehend umschlägt in Bedrückung. Es wirkt häufig wirklich sehr fragmentarisch und findet sich erst so in der Mitte so einer „Handlung“, wenn man sie als solche überhaupt bezeichnen kann. Fokus liegt eindeutig auf das „Wie“ Dörte Hansen erzählt und wie sie die Stimmung und die Eindrücke vom Leben auf einer Nordseeinsel überträgt. Der Titel ist auch maßgebend, denn die See nimmt einen wirklich großen Teil der Seele eines/ einer Inselbewohner/in ein. Die See kann auch vieles sein – gut und böse.

FAZIT:

Zur See war mal wieder ein klassischer Roman von Dörte Hansen mit Fokus auf das Leben auf einer Nordseeinsel. Auch wenn ich den Schreibstil sehr schätze, habe ich immer so ein paar Anlaufschwierigkeiten bis ich dann drin bin. Es ist kein Buch, was man mal so nebenbei weg liest. Es ist zu empfehlen sich hier die nötige Zeit und den Raum zu geben, die Geschichte auf sich wirken zu lassen. 

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar freundlicherweise von Penguin Verlag zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür! Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst.

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2 Kommentare zu „Rezension „Zur See“ – Dörte Hansen

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